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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 6,50 Euro    
  Jeden Tag 3,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder  more
  Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Kinderfilm 4,- Euro Gruppen ab 10 Kinder 2,50 Euro  
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
 
 
  6. November 2010 bis 16. Januar 2011
  Christoph Schlingensief – alle Filme. Retrospektive
  Retrospektive im BABYLON vom 6. November 2010 bis 16. Januar 2011

Am 21. August 2010 ist Christoph Schlingensief gestorben und hat eine Lücke hinterlassen, die niemand füllen kann. Am 6. November öffnet die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz die Türen, um gemeinsam mit Freunden und Weggefährten Christoph Schlingensief zu gedenken und ihn zu feiern. Um 23 Uhr startet mit "Die 120 Tage von Bottrop - der letzte neue deutsche Film" im BABYLON die erste vollständige „Christoph - Schlingensief -Retrospektive“.

So gefeiert Christoph Schlingensief als Theaterregisseur und Künstler war, seine Filmkarriere war von großen Widerständen geprägt, nur die wenigsten Filme waren außerhalb von Festivals im Kino zu sehen. Trotzdem hat er von 1983 bis 1996 fast jedes Jahr einen langen Film gedreht und oft auch selbst veröffentlicht. Christoph Schlingensief hatte bekanntlich keine Angst zu Scheitern, aufgegeben Filme zu machen, hat er nie. Bis zuletzt hat er immer wieder betont, dass er in erster Linie Filmemacher sei, hat Filme für seine Theaterarbeiten gedreht und weiter Spielfilmstoffe entwickelt.

Christoph Schlingensief wurde für seine Filme als Provokateur abgestempelt, als Trashfilmer, als Dilettant, als nicht sendefähig und auch nicht Goethe-Institut-exportfähig. Warum ist das Kino so wenig offen für neue oder andere Formen? Warum ist am Theater, wo Christoph Schlingensief sein mediales Spektrum ausbauen konnte, experimentierfreudiger und offener? Sind die Produzenten/Intendanten oder ist es das Publikum?

Zum Tod von Werner Schroeter im April 2010 schrieb Christoph Schlingensief in seinem Blog: „sein tod ist nicht nur für mich ein großer verweis auf die Vergänglichkeit unseres Lebens, aber vor allem auch ein verweis auf die wenige Achtung, die man einem wirklichen Genie in Deutschland kaum entgegenbringen kann. nun ist er tot und fast haette ich gesagt: es ist zu spaet, aber eines ist klar: Schroeters filme sind ein Vermächtnis, das an jede Filmhochschule und auch in die deutschen Kinos oder die richtigen tv-anstalten gehört! ein Vermächtnis dieses leben genauer zu betrachten und seine Melodie zu erforschen! das hat er sein leben lang getan! dafür nicht nur dank sondern tiefste innere liebe!“
Zu Christoph Schlingensiefs Tod sind nun viele TV-Anstalten bereit seine Filme zu zeigen und wie bei Werner Schroeter, wird ihm eine Verehrung von Leuten zuteil, die ihn noch wenige Monate vorher hätten abblitzen lassen. Warum pflegen wir das Außergewöhnliche nicht zu Lebzeiten? Die ersten Filme von Werner Schroeter und Christoph Schlingensief waren durch kulturelle Filmförderung und mutige Redakteure beim öffentlich rechtlichen Fernsehen möglich. Beides ist heute verschwunden oder steht unter hohem Markt- oder Quotendruck. Im Sinne von Werner und Christoph fordere ich deshalb eine mutigere kulturelle Filmförderung und mehr Sendeplätze für ungewöhnliche Filme!

Die Anfänge seines produktiven Lebens kann man ab dem 6. November täglich im Kino entdecken. Christoph Schlingensiefs Wunsch auf die Leinwand zurück zu kehren wird ihm erfüllt, alle Filme werden in den Originalformaten 16 und 35mm, zum großen Teil mit seinen Original-Festivalkopien zu sehen sein.
Neben den angekündigten Hauptfilmen, wird das Programm spontan um kurze Filme und unveröffentlichtes Filmmaterial ergänzt werden. Schauspieler, Kollegen, Mitarbeiter und Kritiker, die seine Filme, ihn und seine Arbeit begleitet haben, werden die Filme vorstellen.
Frieder Schlaich / Filmgalerie 451
 
  Aktuelles Filmprogramm

Kurzfilmprogramm I
(1968-1977, ca. 71 min)
Super 8 – Filme (kurz und mittellang) (von Beta oder DVD)
Mo. 22.11.10 | 19:30 Uhr
Do. 09.12.10 | 22:00 Uhr
Mo. 10.01.11 | 21:45 Uhr

Kurzfilmprogramm II
(1982-1986, ca. 70 min)
16mm – Filme (Beta, 16mm)
Mo. 06.12.10 | 21:00 Uhr
So. 12.12.10 | 19:30 Uhr
Di. 04.01.11 | 21:45 Uhr

Tunguska – Die Kisten sind da
(with English subtitles)
(1984, 16 mm, 71 min)
Zwei 16 mm Vorfilme: gesamt 23 min
Do. 11.11.10 | 22:00 Uhr
Do. 02.12.10 | 22:00 Uhr
Di. 14.12.10 | 19:00 Uhr
Mo. 27.12.10 | 21:45 Uhr
Di. 11.01.11 | 22:45 Uhr

Menu Total
(with English subtitles)
(1985/86, 35 mm, 80 min)
Di. 09.11.10 | 22:00 Uhr
Mi. 24.11.10 | 21:00 Uhr
Sa. 25.12.2010 | 21:45 Uhr
Do. 06.01.11 | 21:45 Uhr
Fr. 14.01.11 | 21:45 Uhr

Mutters Maske
(1988, 16 mm, 85 min)
Mi. 10.11.10 | 22:00 Uhr
Di. 16.11.10 | 22:15 Uhr
Mo. 26.12.2010 | 21:45 Uhr
Do. 13.01.11 | 21:45 Uhr

Egomania
(1986, 16 mm, 84 min)
Mo. 08.11.10 | 19:45 Uhr
Do. 25.11.10 | 22:00 Uhr
Di. 07.12.10 | 21:00 Uhr
Di. 21.12.10 | 22:00 Uhr
Fr. 07.01.11 | 21:45 Uhr

100 Jahre Adolf Hitler
(with English subtitles)

(1988/89, 16 mm, 60 min)
Vorfilm: Udo Kier - Tod eines Weltstars (45 min)
Mo. 15.11.10 | 21:30 Uhr
Mo. 29.11.10 | 18:30 Uhr
Mo. 13.12.10 | 22:00 Uhr
Di. 28.12.10 | 21:45 Uhr
Sa. 15.01.11 | 21:45 Uhr

Das deutsche Kettensägenmassaker
(D 1990, 60 min)
Bonus: 16 mm Schnittreste (circa 30 min)

Di. 23.11.10 | 22:00 Uhr
Di. 30.11.10 | 22:00 Uhr
Sa. 11.12.10 | 22:00 Uhr
Mi. 22.12.10 | 21:00 Uhr
Mo. 03.01.11 | 21:45 Uhr

Terror 2000
with English subtitles
(D 1992, 35 mm, 79 min)
So. 07.11.10 | 21:15 Uhr
Sa. 27.11.10 | 21:45 Uhr
Mi. 08.12.10 | 21:00 Uhr
Do. 16.12.10 | 21:00 Uhr
Sa. 08.01.11 | 21:45 Uhr

United Trash
(D 1995, 35 mm, 75 min)
Fr. 12.11.10 | 21:00 Uhr
Mi. 01.12.10 | 22:00 Uhr
Sa. 18.12.10 | 21:00 Uhr
Mi. 05.01.11 | 21:45 Uhr

Die 120 Tage von Bottrop
(D 1997, 16 mm, 60 min)
Sa. 06.11.10 | 23:00 Uhr
Fr. 26.11.10 | 21:45 Uhr
Sa. 04.12.10 | 22:00 Uhr
Mo. 20.12.10 | 22:00 Uhr
So. 16.01.11 | 21:45 Uhr

Freakstars 3000
(with English subtitles)
(D 2004, Beta, 75 min)
So. 14.11.10 | 21:00 Uhr
So. 28.11.10 | 22:00 Uhr
Fr. 10.12.10 | 22:00 Uhr
Mi. 15.12.10 | 22:00 Uhr
Sa. 01.01.11 | 21:45 Uhr

The African Twintowers
(with English subtitles)
(D 2007, Beta, 70 min)
Weitere Fragmente dieses Unvollendeten Films moderiert vom Filmteam. (circa 60 min)
Sa. 13.11.10 | 21:00 Uhr
Fr. 03.12.10 | 22:00 Uhr
So. 19.12.10 | 20:00 Uhr
Do. 30.12.10 | 21:45 Uhr
Mi. 12.01.11 | 21:45 Uhr

Theaterfilme (Premiere!)
Ein ganz besonderer Programmplatz mit Filmen, die in Theaterstücke integriert waren und in dieser Form noch nie zu sehen waren. Dauer circa 3 Stunden!
So. 05.12.10 | 19:00 Uhr
Fr. 17.12.10 | 21:00 Uhr
Do. 23.12.10 | 21:00 Uhr
So. 02.01.11 | 21:45 Uhr
So. 09.01.11 | 21:45 Uhr

SURPRISE FILM
Einmalig am Mittwoch den 29.12.10 | 21:45 Uhr
 
  Die 120 Tage von Bottrop
  D 1996, R: Christoph Schlingensief, mit Margit Carstensen, Irm Hermann, Volker Spengler, Udo Kier, Helmut Berger, Mario Garzaner, Sophie Rois, Martin Wuttke, Bernhard Schütz, 60 Min

Die Überlebenden der alten Fassbinder-Zunft haben sich zusammengetan, um auf dem Potsdamer Platz unter Sönke Buckmanns Regie ein Remake von Pasolinis '120 Tage von Sodom' zu drehen. Eine Hommage an Rainer Werner Fassbinder, an die Exzentrik und an den Wahnsinn einer längst vergangenen Zeit.

Vom 11.11. bis Ende des Jahres präsentieren Filmgalerie 451 und BABYLON eine Christoph Schlingensief Retrospektive mit 14 Programmen, u.a. als Premieren: Kurzfilmprogramme, The African Twintowers und Theaterfilme.
 
 
  TERROR 2000 
  D 1992, R: C. Schlingensief, mit Udo Kier, Margit Carstensen, 35mm, 79 Min
Sie suchten Liebe und fanden nur Hass - der noch ekligere, noch gemeinere, noch perversere Gipfel der Deutschland-Trilogie
In Anlehnung an das Gladbecker Geiseldrama geht es um zwei flüchtige Gangster, die in einer ostdeutschen Kleinstadt Asylanten peinigen, hofiert von einer sensationsgeilen Medienschar und verfolgt von zwei erfolglosen Kriminalbeamten. Westdeutsche Neonazis versuchen ebenso wie Lokalpolitiker, ihren Nutzen aus den Übergriffen zu ziehen. Nach 'Das deutsche Kettensägenmassaker' und '100 Jahre Adolf Hitler' der letzte Teil der Deutschlandtrilogie. 'Terror 2000' zeigt die adäquate Trash-Ästhetik für den ultrarechten Sumpf!
Pressestimmen
Ein Schlachtengemälde ... Die einzig mögliche Antwort auf Deutschland! (Süddeutsche Zeitung, Michael Althen)
'Terror 2000' ist das wirksamste Gegengift gegen den Biedersinn des deutschen Gremienfilms. Echter Horror kann manchmal die reine Erholung sein. (Die Zeit , Andreas Kilb )
Sucht nicht nach Parallelen, sondern legt Verbindungen wie Zündschnüre und setzt die Lunte auf der Leinwand in Brand. Gewalt macht geil ... ‚Terror 2000’: ungerührt und obsessiv. (Frankfurter Rundschau, Peter Körte)
Szenen einer Entfesselung. Chronik des deutschen Wahns – prophetisch. (Die Zeit, Helmut Schödel)
Die erste annähernd naturalistische Darstellung des Abgrunds aus bösen Umtrieben und gemeinem Schwachsinn. (TIP Berlin, Christoph Terhechte )
 
  EGOMANIA 
  1986, R: C. Schlingensief, mit Tilda Swinton, Udo Kier, 16mm, 84 Min

Ein anderes Weltende wird es nicht geben: Erbitterte Kämpfe voller Hass und Liebe um Inzest und Reichtum. Udo Kier als Tante des Teufels und Tilda Swinton als Brünhilde. Ein junges Paar gefangen im ewigen Eis, in zärtlicher Liebe, von allen bedroht.

Pressestimmen

Ein Melodrama von Schlingensief? Hier ist es! Das, was viele von ihm schon immer sehen wollten. Ein Frühschuss von 1987. Für mich sein bester Film! (Süddeutsche Zeitung)

Ein junger Oberhausener entwickelt sich mit halsbrecherischem Tempo zum Apokalyptiker des deutschen Films. (EPD Film)

Durch dieses Chaos der schiefen Zitate, unterstützt von dröhnenden Geräuschen aus der Punkzeit taumelt Schlingensief dem Ende der Illusion entgegen. Rette sich, wer kann, vor gebildeten Exegeten. (Die Zeit, Helmut Schödel)

"Wenn es einen Film gab, der rigoros das wahrlich dünne Eis betrat, das wie cineastisches Neuland aussieht, dann war es dieser." (1987, Peter W. Jansen)
 
  MENU TOTAL 
  D 1985/86, R: C. Schlingensief, mit Helge Schneider, Alfred Edel, 35mm, 80 Min

Ausgelassenes Treiben auf der Picknickwiese in Mülheim an der Ruhr. Die Eltern haben ihre alten Naziuniformen wieder rausgekramt, da macht die Polonaise noch mehr Spaß.
Helge Schneider, der auch die Musik zum Film gemacht hat, in einem widerlichen Film. Auf der Berlinale 1986 ausgepfiffen. Wim Wenders ging nach 10 min. Alfred Edel kotzt sich durch den ganzen Film.

Zitate
„Mein bester Film!“ (Christoph Schlingensief)

Pressestimmen

Sein bester Film! (EPD Film)
Genial obszön! (Die Zeit)
Die größte Sauerei aller Zeiten! (Tagesspiegel Berlin)
Ein Neubeginn! (Süddeutsche Zeitung)
Der reinste Analterror! (taz)
 
  MUTTERS MASKE  
  D 1988, R: C. Schlingensief, mit Helge Schneider, Udo Kier, 16mm, 85 Min

Zwischen Lindenstraße und Visconti: das ultimative Remake von Veit Harlans 'Opfergang' (1944)
Unter Verwendung von Motiven aus Baudelaires 'Blumen des Bösen' zeichnet Christoph Schlingensief das Drama einer im Ruhradel angesiedelten Familie nach. Das verhasste Erzählkino führt Schlingensief mit 'Mutters Maske' ad absurdum, indem er dessen Regelhaftigkeit selbst anwendet und überbeansprucht. Durch eine freiwillige Lächerlichkeit reduziert er seine Tragikomödie auf das Niveau einer Daily Soap.

Pressestimmen
Helges Musik ist göttlich. Der Film teuflisch. Das passt und bringt eine Menge Spaß. (Spex)
Exaltiert, durchgeknallt und in entschiedener, aber entscheidender Schieflage. (Die Zeit)
 
  Tunguska 
  D 1984, R: C. Schlingensief, mit Irene Fischer, Matthias Colli, 16mm, 71 Min

Die 'Trilogie zur Filmkritik – Film als Neurose' - Schlingensiefs erster Langfilm 'Tunguska' und zwei frühe Kurzfilme
Drei Avantgardeforscher am Rande des Nervenzusammenbruchs, ein Pärchen auf der Suche nach Benzin – und Alfred Edel, der sie alle fertigmacht! Eine Kriegserklärung inmitten der existentialistischen Exerzitien des neuen deutschen Nachwuchsfilms.

Pressestimmen
Eine turbulente, exzentrische Auseinandersetzung mit dem Erzählkino, mit der Filmgeschichte, mit der Theorie des Sehens und mit der Wissenschaft, die den Zugang zum Lustgewinn durch Kunst verstellt. (ZDF Aspekte, Peter W. Jansen)
Ein großartiges Kinodebüt! (Die Zeit)
Grandios! (Süddeutsche Zeitung)
Die ultimative Abrechnung mit dem Avantgardefilm der 60er Jahre! (EPD Film)
 
  United Trash  
  D 1995, R: C. Schlingensief, mit Udo Kier, 35mm, 77 Min

Kann der schwarzhäutige Messias Peter Panne den Abschuss einer übrig gebliebenen V2-Rakete auf das Weiße Haus verhindern?
Das Afrika-Abenteuer des Christoph Schlingensief ist ein Moritat über einen schwulen UNO-General, dessen Frau ein Verhältnis mit einem Bischof hat und den Messias gebärt. Der steckt sich versehentlich eine Murmel in die Nase. Beim Versuch, sie wieder herauszuholen, kommt es zu einem Unglück.
Schlingensiefs prophetischer Ausblick auf das grosse Bundeswehrabenteuer im Kosovo 1999. Die ganze Wahrheit über Scharping, Clinton, Fischer und Milosevic. Vorgeführt an afrikanischen Verhältnissen.

Pressestimmen
Mit Kitten Natividad, dem Busenstar aus Russ-Meyer-Filmen, erfüllt sich der Regisseur einen Jugendtraum. Beneidenswert. (Fischer Film Almanach)
Ideen- und Bildersalat, Geräusche- und Musiktortur lassen keine Hoffnung mehr zu, weder auf die einer politischen noch auf die einer ästhetischen Aussicht ... Vergnügen bereitet ‚United Trash‘ nicht, und vergleichen lässt er sich mit nichts, was es sonst im Kino geben mag. (TIP Berlin)
 
  The African Twintowers 
  D 2005-2009, R: C. Schlingensief, mit Irm Hermann, Klaus Beyer, Robert Stadlober, Christoph Schlingensief, Patti Smith, Beta, 70 Min

Als Spielfilm im Jahre 2005 geplant und in Namibia gedreht, in Fragmenten in mehreren Projekten von Christoph Schlingensief verarbeitet und schließlich als „Unvollendete“ in Form einer 18 Bilder-Installation auf der Berlinale 2008 veröffentlicht, erscheint der Film 2009 wieder mit einem neuen Gesicht.
Auf der Berlinale 2008, im "Forum Expanded", war THE AFRICAN TWINTOWERS als Installation mit 18 Monitoren und Filmen zu sehen: Die Unfähigkeit, die Ereignisse der 27 Drehtage zu begreifen. Hier hat sich ein Paralleluniversum entwickelt, das niemand geplant hat, jedenfalls nicht mit diesen Konsequenzen. In 'African Twin Towers' geht es um Richard Wagner, den Anschlag vom 11. September, Hagen von Tronje, Odin und Edda, lebende Hereros (Angehörige eines afrikanischen Hirtenvolks) und Tote, Geister der Gegenwart und der Vergangenheit. “Drehort” ist eine sich drehende Scheibe, der Animatograph, auf der ein Schiff mit zwei Masten steht. An diesen Masten hängen die Twin Towers. Das alles stand in Lüderitz in Namibia, der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Dass Schlingensief seinen Film nicht in einer kontinuierlichen Abfolge von Bildern zeigt, sondern „alles gleichzeitig“ auf der großen Facettenaugenwand mit 18 Monitoren synchronisiert, erinnert an die Verwandlungsparole in Wagners Parsifal: „Du siehst mein Freund: Zum Raum wird hier die Zeit.“

Pressestimmen
Christoph Schlingensief tut, was er am besten kann, auch in Namibia: Er inszeniert den deutschen Wahnsinn. Ein Film über die letzten Tage Schröders, "Wini" Wagner und das Elend der Baracken in der Wüste. (Der Spiegel)
Angelpunkt der Installation ist ein Fragment gebliebenes Filmprojekt in Namibia. In der ehemals deutschen Kolonie, in einem Ort namens Lüderitz, sollte es u. a. um nordische Mythen und afrikanisches Schamanentum gehen. Und um das im Titel angedeutete Faktum, dass in Afrika täglich 35.000 Menschen Hunger und Gewalt zum Opfer fallen, das Vielfache der Toten der Anschläge vom 11. September 2001. "Unbemerkt", wie Schlingensief feststellt. (Kleine Zeitung Graz, 10/08)
Gedreht hat Christoph Schlingensief in Lüderitz, einer Kleinstadt an der namibischen Atlantikküste, die weitreichende Erinnerungen an die deutsche Kolonialzeit preisgibt. Außerhalb von Lüderitz liegen die schwarzen Slums und die "Area 7", ein Lager für Zwangsausgesiedelte. Die Filminstallation ist hochartifiziell, ironisch, chaotisch und verstörend. Sie versöhnt keine Widersprüche und heilt kein Leiden durch geordnete Bilder, sondern ist in ihrer unendlichen Offenheit für die Welt die Wunde selbst. (Wiener Zeitung 10/2008)
 
  Freakstars 3000 
  D 2003, R: C. Schlingensief, mit Ihrm Hermann, C. Schlingensief, Beta, 75 Min

Schlingensiefs Version der RTL-Show "Popstars"
Singen, Tanzen, Luftgitarre – zwei Dutzend Teilnehmer werden unter den Augen einer gnadenlosen Jury durch einen Casting-Wettbewerb gejagt. Freakstars 3000 ist ein Film für eine vermeintlich normale Gesellschaft, die vermeintlich sonderbare Zeitgenossen als behindert abstempelt und auslagert, um sich die himmelblau lackierte Fernsehtristesse nicht zu versauen – eine wahre Aktion Mensch, von Beschränkten für Beschränkte.
Die Freakstars halten den Einschaltquotenreglern und Marktanteilsnehmern, den Zuschauern, einen Spiegel vor, aus dem eine bisweilen schwer erträgliche Fratze zurück gafft.

Pressestimmen
Schlingensief reißt den verzweifelten Pop-Emporkömmlingen die Schönheitsmaske vom Gesicht und gibt das Mikrofon denen, die ein wahrhaft großes Herz haben. (Berliner Morgenpost)
Eine großartige Persiflage auf weit mehr als nur das Superstar-Gedöns im Fernsehen, eine sehr humorvolle Unterhaltung – und vor allem: eine Show mit behinderten Menschen als alleiniger Mittelpunkt ohne jedes Verständnisgesäusel. Das dürfte einzigartig sein! (Frankfurter Rundschau)
'Freakstars 3000' wurde bei der Premiere an der Volksbühne mit großem Jubel aufgenommen. Alle sind behindert, und sei es nur durch das brüllende Gelächter des Sitzreihen-Hintermanns. (Der Spiegel)
 
  100 Jahre Adolf Hitler
  D 1989, R: C. Schlingensief, mit Udo Kier, Volker Spengler, 55 Min

15 Jahre vor 'Der Untergang': Udo Kier als Hitler
Neun Personen, fünf Männer, vier Frauen, von einem Handscheinwerfer aus dem Dunkel herausgezerrt, belauern sich. Wir sehen die letzte Stunde im Führerbunker.
In knapp 16 Stunden an einem Stück gedreht, in einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. '100 Jahre Adolf Hitler' zeigt Inzest und Intrigen, Getöse und Krawall. Es geht um die große Geste und den Abgrund und das Lachen, wenn es gut gegangen ist.
Der 1. Teil von Schlingensiefs Deutschland-Trilogie, gefolgt von 'Das deutsche Kettensägen-Massaker' und 'Terror 2000')
Mit der Hitlerfigur, die von nun an häufig in seine Arbeit "einmarschiert", legt Schlingensief die Hand - sprich die Kamera, die Handkamera - in die offenste aller deutschen Wunden. Hier ist Hitler keine vergangene Personalkatastrophe, sondern die Fratze des absurden Menschen an sich, der sich als elternlos, als höheres Wesen begreift, dessen völlige Monstrosität jedoch nicht in die Anstalt, sondern an die Macht führt und drauflos wütet.

Pressestimmen
Genial! (Frankfurter Rundschau)
Scheisse! (FAZ)
Gefährlich! (taz)
Es gibt noch Filme, die dich aus der Kurve tragen, dich und den täuschenden Vorschein von Ästhetischen und politischen, intimen und historischen Gewissheiten. (TIP Berlin)
Schlingensief hat schon viele Filme gemacht, die bei den Mitwirkenden und Zuschauern die Schmerzgrenze berühren. Die Banalität des Bösen, hier wird sie zum Ereignis. (EPD Film, P. W. Jansen)


Vorfilm: Udo Kier – Tod eines Weltstars
D 1992, R: C. Schlingensief, 45 Min

Portrait im Auftrag des WDR! Vielleicht der beste Film von Christoph Schlingensief? Unbedingt entdecken!