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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 9,00 Euro Kino 1                
  Mo - So 7,00 Euro Kino 2/3  
  Jeden Tag 4,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder  more
  Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
  Kino Karten/Kasse/Informationen: Fon: +49 - (0)30 - 24 25 969 (ab 17.00 Uhr)
 
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
 
   
  25.04.-02.05.2018
  filmPOLSKA 2018
  Frühlingserwachen – filmPOLSKA 2018 feiert zum 13. Mal die Freiheit des Films
     
 

Vom 25. April bis zum 2. Mai 2018 zeigt filmPOLSKA, wie FilmemacherInnen aus Polen die Welt, in der sie leben, betrachten. Zum 13. Mal laden wir das Berliner Publikum zu spannenden Betrachtungen der polnischen Gesellschaft und einen lebendigen Dialog mit unseren Festival-Gästen ein. Mit zahlreichen Filmgesprächen, zwei Workshops und nicht zuletzt unserer Festival-Party am 28. April im Roadrunner’s Paradise Club wollen wir gemeinsam mit Ihnen das polnische Kino erleben und zelebrieren.
Feierlich eröffnet wird das Festival am 25. April im Babylon mit der Deutschlandpremiere des preisgekrönten Dokumentarfilms The Prince and the Dybbuk/ Der Prinz und der Dybbuk von Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski.

Weitere Informationen unter www.filmpolska.de  und www.facebook.com/filmpolska.berlin
 

   
  Programm     Filme
   
  Mi, 25.04.
  19:30 filmPOLSKA Eröffnungsfilm:
The Prince and the Dybbuk [Der Prinz und der Dybbuk] Gast: Regisseurin Elwira Niewiera
   
  Do, 26.04.
  17:30 Ziemia obiecana [Das gelobte Land]

20:45 Dziennik z podróży [A Diary of a Journey] Gast: Piotr Stasik

22:00 Pewnego razu w listopadzie... [Once upon a time in November]

   
  Fr, 27.04.
 

18:00 Beksińscy. Album wideofoniczny [The Beksińskis. A Sound And Picture Album]
 

19:45 Olbrzym [The Gentle Giant], Dokument [A Documentary Film], Fugazi. Centrum wszechświata [Fugazi. The Centre of the Universe] Gast: Leszek Gnoiński
 

20:00 Twarz [Mug] Gast: Agnieszka Podsiadlik
 

21:30 Photon

 

22:00 Człowiek z marmuru [Der Mann aus Marmor]

   
  Sa, 28.04.
  18:15 Miasto 44 [Warschau 44]

20:00 Człowiek z magicznym pudełkiem [The Man with the Magic Box]

20:45 Pokot [Die Spur]

22:00 Plac Zabaw [Playground]

24:00 TodMachine, mit Anna Vavilkina an der Babylon Orgel

   
  So, 29.04.
  15:30 Powidoki [Afterimage]

16:00 70 Years Łódź Film School - A Journey through Polish Cinema, GAST: Dagna Kidoń

18:00 Przy Planty 7/9 / Bogdan's Journey, GAST: Bogdan Białek im Gespräch mit Florian Kemmelmeier

19:30 Wołyń [Wolhynien] Einführung: Prof. Dr. Robert Traba

20:15 Turyści [Tourists] Gast: Marta Wójtowicz-Wcisło
 

   
  Mo, 30.04.
  17:30 Uhr Pianista [Der Pianist]

18:00 Pomiędzy Słowami [Beyond Words]

19:30 Wieża. Jasny dzień [Tower. A Bright Day]

20:00 Cicha Noc [Stille Nacht]

20:15 Wołyń [Wolhynien], Einführung: Dr. Stephan Theilig

22:00 Twój Vincent [Loving Vincent]

   
  Di, 01.05.
  17:45 Contemporary Polish Female Animation, Gäste: Marta Pajek, Paulina Ziółkowska, Wiola Sowa und Izabela Plucińska

19:30 Twarz [Mug]

20:00 Ptaki śpiewają w Kigali [Birds Are Singing in Kigali]

22:15 Popiół i diament [Asche und Diamant]

   
  Mi, 02.05.
  18:00 filmPOLSKA präsentiert den Gewinnerfilm des Wettbewerbs OmU oder OmeU

18:00 Noce i dnie [Nächte und Tage]

   
  Filme
   
 

The Prince and the Dybbuk [Der Prinz und der Dybbuk]

-Eröffnungsfilm-        Gast: Regisseurin Elwira Niewiera

Mit 37 von insgesamt 147 Filmen war Michał Waszyński der produktivste polnische Regisseur der Zwischenkriegszeit. Nach 1945, als er in Italien lebte und sich der „Prinz” bzw. Michael Waszyński nannte, produzierte er einige der größten Hollywood-Filme seiner Zeit, u.a. „Der Untergang des römischen Reiches“. Aus seinem für kassenwirksame Melodramen und Komödien bekannten Werk sticht jedoch ein Film heraus, „Der Dybbuk“. Das mystische Drama um eine von der Seele eines Toten (Dybbuk) heimgesuchten Braut gilt als eines der wichtigsten Zeugnisse der polnisch-jüdischen Kultur.

„Der Prinz und der Dybbuk“ von Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski zeichnet das leise Porträt eines der geheimnisvollsten Menschen der polnischen Filmgeschichte, der sich selbst wie in einem Drehbuch inszenierte und doch stets von der Suche nach seiner verlorenen Identität getrieben war. Denn der „Prinz” war keiner, sondern wurde 1904 als Mosze Waks im polnischen Schtetl geboren, konvertierte aber als junger Mann zum Katholizismus und änderte seinen Namen. Er nahm in Kauf, dass seine orthodoxe Familie ihn aus dem Gedächtnis verbannte. War „Der Dybbuk“ sein Versuch, den eigenen, ihm innewohnenden Dämon zu besiegen und Frieden mit der Vergangenheit zu finden, die durch den Holocaust ein zweites Mal endgültig gelöscht wurde?

Historische Aufnahmen, Interviews und großartig von Piotr Rosołowskis Kamera in Szene gesetzte Traumsequenzen erzählen von Haltlosigkeit im Strudel der Zeit. In Venedig wurde „Der Prinz und der Dybbuk“ 2017 mit dem Goldenen Löwen für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

   
   
  Ziemia obiecana / The Promised Land / Das Gelobte Land
Do, 26.04. 17:30

R/B: Andrzej Wajda, PL 1974, 179 min, OmU, K: Witold Sobociński, Edward Kłosiński, Wacław Dybowski, S: Halina Prugar, Zofia Dwornik, M: Wojciech Kilar, D: Daniel Olbrychski, Wojciech Pszoniak, Andrzej Seweryn u.a.

Ende des 19. Jahrhunderts zieht die aufstrebende Textilmetropole Łódź Industrielle und Spekulanten an, so auch drei jungen Freunde: den polnischen Landadligen Karol Borowiecki, den Juden Moryc Welt und den deutschen Max Baum. Sie wollen unbedingt und schnell reich werden, um das Leben in vollen Zügen genießen zu können.Dabei scheuen sie auch nicht vor dubiosen Tricks zurück. Unaufhaltsam scheint ihr Aufstieg, bis ein reicher Fabrikant von der Affäre seiner Frau mit Karol erfährt und Rache nimmt.

Dieser fulminante Film über Gier und Gewinn ist nicht nur ein erschreckendes Abbild des Frühkapitalismus, sondern auch die Geschichte einer gescheiterten Freundschaft. Und wenn in der letzten Szene Karol auf seine eigenen Arbeiter schießen lässt, denken viele Polen zwangsläufig an die Schüsse, die 1970 in der Gdańsker Lenin-Werft fielen. „Das gelobte Land“ brachte Wajda 1976 eine Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film.
 

   
   
  Dziennik z Podróży / A Diary of a Journey
Dokumentarfilm, R: Piotr Stasik, PL 2013, 52 min, OmeU
Do 26.04. 20:45 Uhr – Babylon • zusammen mit „Opera o Polsce

Ein dokumentarischer Roadmovie über den in die Tage gekommenen Fotografen Tadeusz Rolke und seinen 15-jährigen Schüler Michał. Beide bilden ein unkonventionelles Team, wobei nicht immer klar wird, wer Lehrmeister und wer Schüler ist.

Piotr Stasik (geb. 1976) debütierte 2005 mit einem kurzen Dokumentarfilm. Es folgten zwölf Spiel- und Dokumentarfilme, an denen er u. a. als Regisseur, Drehbuchautor und Editor mitwirkte, darunter „Koniec lata / End of Summer“ (2010), „Dziennik z podróży / Diary of a Journey“ (2013) und „21x New York“ (2016).
 

   
   
   
Pewnego razu w listopadzie... [Once upon a time in November]

„Mutter” hat durch Polizeiwillkür ihre Wohnung verloren und haust in einem Bretterverschlag. Ihr Sohn „Marky” sucht sie und ihren Hund „Kumpel” eine neue Bleibe. Weil sie mit „Kumpel” jedoch nicht ins Obdachlosenasyl darf, beschließt „Mutter” zu „Markys” Erstaunen in ein besetztes Haus im Zentrum von Warschau zu ziehen. Dann kommt der polnische Unabhängigkeitstag am 11. November, an dem seit Jahren Nationalisten und zunehmend auch rechtsextreme Schläger in der Hauptstadt demonstrieren. Ohne dass die Polizei einschreitet, taucht plötzlich der rechte Mob vor dem besetzten Haus auf.

“Once upon a time in November” steht mit seiner leisen Geschichte über die Verlierer der polnischen Gesellschaft in einer langen Tradition. Dann wird der Film zu einem schmerzhaften Kreischen. Denn die Bilder der rechten Demonstranten und ihres Angriffs auf das Haus sind echt!

Nach seinem poetischen Drama „Imagine“ um die möglicherweise hochstaplerischen Methoden eines blinden Pädagogen und „Kleine Tricks“, einem schwerelosen Sommerfilm, ist Jakimowskis jüngstes Werk alles andere als leicht zu ertragen. Zurückhaltend erzählt er nicht nur die Geschichte der schwierigen, wenn auch bedingungslosen Liebe eines Sohns zu seiner Mutter. Ohne zu belehren, zeichnet er durch die Kraft seiner Bilder die rechte Gefahr für ganz Europa nach. Gleichzeitig beleuchtet der Film eine weitgehend unbekannte und marginalisierte linke Subkultur in Polen.

   
   
  Beksińscy. Album wideofoniczny [The Beksińskis. A Sound And Picture Album]

PL, 2017, R: Marcin Borchardt, M: Marcin Dymiter, D: Zdzisław Beksiński, Zofia Beksińska, Tomasz Beksiński, OmeU

Als Jan P. Matuszyńskis Biopic „The Last Family” in die Kinos kam, waren viele überrascht, dass er keine Biografie über den Maler Zdzisław Beksiński gedreht hatte. Stattdessen zeichnete er anhand Beksińskis ganzer Familie mehrere Jahrzehnte polnische Geschichte nach. Marcin Borchardts Videomontage offenbart nun, welchem Material Matuszyński Arbeit zugrunde liegt: ein von Beksiński 1957 angelegtes „Audio-Album“ mit Gesprächsmitschnitten. Hinzu kommen große Menge an Fotos und Amateurvideos. Mit diesem Material erzählt der Dokumentarfilmer Borchardt die Familiengeschichte noch einmal – nur diesmal mit authentischen Aufnahmen und noch einmal um einige Jahrzehnte ausführlicher. Sein Drehbuch stützt sich dabei auf die Bestseller-Biografie „Die Beksińskis. Ein Doppelporträt“ von Magdalena Grzebałkowska, das auch Beksińskis Sohn Tomek – ein genialer DJ, Radiomoderator und Übersetzer – in den Fokus nimmt.

Es entsteht ein kunstvoll erzähltes Drama mit Elementen, die eine Geschichte zur Story machen: ein Vater-Sohn-Konflikt, ein erfolgreicher, aber zurückgezogen lebender Künstler, eingepfercht in einer Plattenbauwohnung, ein Flugzeugabsturz, starke Frauen, die den ganzen Laden am Laufen halten, tiefe Einfühlsamkeit für die dunklen Seiten des Pop der Achtzigerjahre, finstere Phantasmagorien auf Leinwand, psychische Labilität am Rande des Selbstmordes… Borchardt gelingt ein außergewöhnlich intimer Einblick in das Leben einer ganz besonderen, ganz gewöhnlichen Familie.

   
   
  Twarz [Mug]

PL 2018, R: Małgorzata Szumowska, M: Adam Walicki, D: Mateusz Kościukiewicz, Agnieszka Podsiadlik, Małgorzata Gorol u.a., OmU

Der Preis für die außergewöhnlichste Filmexposition bei filmPOLSKA 2018 gebührt eindeutig „Mug“. Nur mit Unterwäsche bekleidet, stürmen Kaufwütige einen Ramschmarkt, um billige Fernseher zu ergattern. Hier lernen wir Jacek kennen, der mit seinen langen Haaren, den Tattoos und seiner frechen Art das schwarze Schaf der Familie ist. Jaceks Leben gerät aus der Bahn, als sein Gesicht durch einen Arbeitsunfall, den er nur knapp überlebt, vollkommen entstellt wird.

Als erstem Menschen in Europa wird Jacek nun ein neues Gesicht transplantiert. Während alle Augen auf ihn gerichtet sind, schaut ihn Dagmara, seine große Liebe, nicht mehr an. Gefangen im alten Körper, aber mit dem neuen Gesicht doch ein Fremder, ein von der eigenen Mutter verstoßener Homunkulus, wird das Leben für Jacek und seine Familie zur Qual.
 

Fein gezeichnete Zwischentöne, etwa wenn sich die Männer Weihnachten besaufen und fragwürdige Witze erzählen, oder wenn der Messdiener stoisch durch die Kirchbänke schreitet, während der Kollekte-Korb leer bleibt, zeichnen ein vielschichtiges Bild von Leben und Volksmund in der polnischen Provinz. „Mug“ erhielt 2018 den Silbernen Bären für die beste Regie.

   
   
  Photon

PL 2017, R: Norman Leto, S: Norman Leto, Antoni Kowalczyk, M: Przemysław Książek
D: Danuta Banach, Stanisław Banach, OmeU

 Wer dachte, dass Terrence Malick bei „The Tree of Life” weit ausgeholt hätte, kennt Norman Leto noch nicht. Denn während der Amerikaner eine opulent inszenierte Geschichte des Universums nur als Hintergrund für eine Kleinstadtgeschiche benutzt, lässt Leto die Handlung weitgehend weg und nimmt uns stattdessen mit auf eine opulent bebilderte Reise von den Anfängen der Welt bis in ihre Zukunft.

Mit diesem Ansatz hätte er einen idealen Film für den Physikunterricht schaffen können – wenn denn die Stimme, die uns aus dem Off in die Geheimnisse beispielsweise der Quantenphysik einweiht, nicht vom belehrenden Ton immer wieder ins Episodisch-Anekdotische abdriften würde. Der Film ist ein mutiger Genre-Mix – in gespielten Szenen erklärt uns Andrzej Chyra als Forscher den aktuellen Wissensstand. Manche Phänomene werden mit Dokumentarszenen unterlegt, der größte Teil des Films besteht jedoch aus äußerst aufwändigen, sachlich exakten und zugleich ästhetisch wunderschönen animierten Sequenzen.
 

„Photon“ entführt uns in die Welt der Forschung und Experimente und ist dabei selbst ein gelungenes Experiment – ein Lehrfilm, der unterhält, optisch beeindruckt und zeigt, dass auch 2018 im Kino längst nicht alle Pfade ausgetreten sind.

   
   
  Człowiek z marmuru / Der Mann aus Marmor

PL 1976, R: Andrzej Wajda, 153 min, OmU
D: Jerzy Radziwiłowicz, Krystyna Janda, Tadeusz Łomnicki, Jacek Łomnicki, Michał Tarkowski

Die junge Filmstudentin Agnieszka möchte ihren Diplomfilm über die Helden der Arbeit der 1950er Jahre drehen. Bei der Recherche stößt sie in einem Museumsarchiv auf Marmorstatuen aus jener Zeit. Besonders fasziniert ist sie von einer Plastik, die den Maurer Mateusz Birkut darstellt, einen Helden der Arbeiterklasse, dem es gelungen war, innerhalb einer Schicht 28.000 Ziegelsteine zu verarbeiten. Der Film, eine cineastische Geschichtsstunde, birgt eine Geschichte in der Geschichte: Rückblenden aus den fünfziger Jahren erzählen vom Aufstieg und Fall eines Arbeiters, der an den Kommunismus glaubte, aber wegen seiner Kritik in Ungnade fiel und von der Bildfläche verschwand.

Mit der Rolle der Agnieszka und ihrer mutigen Suche nach der Wahrheit entwirft Wajda den Prototypen einer jungen Polin, wie ihn das polnische Kino bis dahin nicht kannte. Krystyna Janda spielte in ihrem Spielfilmdebüt die unkonventionelle und unerschrockene junge Frau so überzeugend, dass sie zur Ikone einer ganzen Generation avancierte. Der Stoff war brisant und politisch gefährlich. 17 Jahre sollte es dauern, bis Wajda das Drehbuch von Aleksander Ścibor-Rylski verfilmen konnte.
Nach seiner Fertigstellung versuchten die Behörden erfolglos, den Vertrieb des Films zu stoppen.

 
   
   
  Miasto 44 [Warschau 44]

PL 2014, Jan Komasa, OmU

(100 Jahre Unabhängigkeit - Historische Meisterwerke der polnischen Filmkunst)

„Miasto 44“ ist zweifelsohne eines der ambitioniertesten und riskantesten Projekte der polnischen Filmgeschichte. Die Produktion zog sich über viele Jahre hin, verschlang Rekordsummen und wagte sich noch dazu an ein historisches Thema, das wie kaum ein anderes in Polen so heftig umstritten ist – den Warschauer Aufstand. Darüber hinaus wurde mit der Regie kein Kino-Altmeister betraut, sondern Jan Komasa – ein Vertreter der jungen Generation, der mit „Sala samobójców / Suicide Room“ gerade einmal Kinofilm realisiert hatte.

Das zweistündige Epos macht deutlich: Komasa wollte nichts Geringeres als den polnischen Kriegsfilm revolutionieren.Er setzte Maßstäbe für das Genre und lieferte mehreren Generationen die Bilder der bis heute so prägenden zwei Monate im Spätsommer 1944.
   
   
  Człowiek z magicznym pudełkiem [The Man with the Magic Box]

PL 2016, R/B: Bodo Kox, 104 Min, OmU

In seinem heiß erwarteten Zweitwerk entführt uns Bodo Kox in das Warschau einer gar nicht so fernen Zukunft, die wie eine polnische Version von Orwells „1984“ anmutet. Ein allgegenwärtiges Regime, das natürlich nur das Beste für seine Untertanen will, erschnüffelt auch die verborgensten Ecken seiner Bürger. Die Hauptstadt gleicht einer urbane Dystopie – es wimmelt von Müll und Ruinen, ein nicht näher definierter Krieg lässt Wolkenkratzer zusammenstürzen.

Doch es gibt einen Ausweg aus diesem Albtraum, und Adam hat ihn gefunden: seine Erinnerung wurde gelöscht. Jetzt arbeitet er bei einem Großunternehmen, abends jedoch schraubt er an einem alten Radio. Das scheint als Teleporter, als Fenster in eine bessere Welt zu funktionieren – in die Vergangenheit.

Kox haucht dem totgeglaubten Genre der polnischen Science Fiction wieder Leben ein. Er mixt typische Motive wie Zeitreisen, künstliche Intelligenz und Zukunftsentwürfe mit einer originellen urbanen Romanze und würzt sie mit einem Hauch Nostalgie. Mit einer vielschichtig lesbaren Story und diversen Anspielungen auf die Gegenwart liefert er nebenbei vielleicht einen der politischsten polnischen Filme der letzten Jahre.
 

   
   
 

Pokot [Die Spur]

PL 2017, R/B: Agnieszka Holland, 122 Min, OmU

Duszejko, eine pensionierte Brückenbauingenieurin, lebt zurückgezogen in einem Bergdorf an der polnisch-tschechischen Grenze. Sie ist charismatisch, exzentrisch, eine leidenschaftliche Astrologin und strikte Vegetarierin. Eines Tages sind ihre geliebten Hunde verschwunden. Wenig später entdeckt sie in einer verschneiten Winternacht ihren toten Nachbarn, und bei dessen Leiche eine Hirschfährte. Weitere Männer sterben auf mysteriöse Weise. Alle hatten ihren festen Platz in der dörflichen Gemeinschaft, alle waren passionierte Jäger. Sind sie Opfer wilder Tiere geworden? Oder lässt sich ein Mensch zu einem blutigen Rachefeldzug hinreißen? Irgendwann fällt der Verdacht auf Duszejko.

Nach ihrem Ausflug in die Welt der Serien meldet sich Agnieszka Holland mit einem subversiven Krimi auf der großen Leinwand zurück. Die Spur spielt in einer Landschaft mit wechselnden Jahreszeiten, deren wilde Schönheit jedoch nicht über Korruption, Grausamkeit und Dummheit ihrer Bewohner hinwegtäuscht. Fest verwurzelt in der Realität der polnischen Provinz, ist der Film so anarchistisch wie seine Heldin. Ein waghalsiger Genremix aus komischer Detektivstory, spannendem Ökothriller und feministischem Märchen, der im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere feierte und mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde.

   
   
 

Plac Zabaw [Playground]

*nominiert für den Wettbewerb

PL 2016, R/S: Bartosz M. Kowalski, 82 min; OmeU

Eigentlich ist es ein schöner Tag. Das Wetter ist prima, der letzte Schultag vor den Sommerferien steht an. Und eigentlich sind es drei ganz normale Schüler (durchweg mit Schauspiel-Debütanten besetzt), die wir in sechs sich stückweise miteinander verflechtenden Episoden kennenlernen. Schüler, welche die Grundschule verlassen und Probleme haben, die selbst Erwachsenen zu schaffen machen würden.

Gabrysia ist kein Kind mehr, aber auch noch keine Frau. Sie will, was fast alle Mädchen wollen – gut aussehen, in der Klasse akzeptiert werden und vielleicht eine kleine Romanze erleben. Szymek wiederum kommt aus einfachen Verhältnissen und kümmert sich um seinen im Rollstuhl sitzenden Vater.. Und Czarek muss sich sein Jugendzimmer mit einem Kleinkind teilen. Eines haben sie alle gemeinsam: Ihr „Spielplatz“ ist nicht mehr der Sandkasten, sondern ihre Kleinstadt.

Kowalski lieferte mit seinem Debüt einen der kontroversesten Filmen des Jahres ab, der Zuschauer aus dem Kino vertrieb und gleichzeitig Ovationen erntete. Lose an reale Ereignisse anknüpfend, zeigt er wie mitten im Alltag das Böse entsteht, liefert aber keine Erklärungen oder Rechtfertigungen dafür. Die Frage nach den Ursachen bleibt allein beim Zuschauer – und wirkt schmerzhaft lange nach.
 

   
   
  TodMachine

*nominiert für den Wettbewerb

PL 2017
R/K/S: Bogusław Kornaś, 98 min, OmU

Eine namenlose Stadt in Schwarz-Weiß, in der Mitte eine große Fabrik. Der Feind steht schon vor den Toren, aber es gibt noch eine letzte Hoffnung: die MASCHINE. An ihr wurde jahrelang herum getüftelt, sie könnte in letzter Sekunde die siegbringende Waffe sein. Aber sind ihre Schöpfer in der Lage, die Kräfte zu kontrollieren, die sie entfesseln? Denn ihre Maschine birgt etwas ganz Besonderes – ein Herz!

Ohne großes Budget, dafür aber mit umso mehr Liebe und Leidenschaft hat Bogusław Kornaś mit einigen Enthusiasten über mehrere Jahre in Kleinarbeit einen Stummfilm gedreht, der nicht einfach die Mikrofone weglässt, sondern in Inhalt und Form eine pure Hommage an das deutsche expressionistische Kino und seine Optik, Technik, narrative Eigenheiten und Stoffe ist. Großen Vorbildern wie „Das Cabinet des Dr. Caligari“, „Nosferatu“ und natürlich „Metropolis“ wird hemmungslos gehuldigt. Bis ins kleinste Detail werden Trademarks des Zwanzigerjahre-Kinos zitiert und dabei diverse Genres dieser Zeit von Romanze über Thriller bis hin zu Science-Fiction bedient. Und doch erlaubt man sich hier und da dezente Modernisierungen, so bei der rockig-orchestralen Begleitmusik. Das Ergebnis ist eine herrlich verspielte, tiefe Verneigung junger Polen vor der deutschen Filmgeschichte.

Bogusław Kornaś (geb. 1987) ist Regisseur, Kameramann und Fotograf. Er drehte Reportagen, Kurzfilme und Trailer, bevor er mit „TodMachine“ sein Langspielfilm-Debüt gab.

   
   
 

Plac Zabaw [Playground]

Seinen letzten Spielfilm konnte Altmeister Andrzej Wajda 2016 noch feierlich dem Festival-Publikum in Gdynia vorstellen, seine Kinopremiere erlebte er nicht mehr. Dabei kehrte er mit diesem Werk, das zu seinem Vermächtnis wurde, zu seinen Wurzeln zurück – zur Malerei.

Dreh- und Angelpunkt ist der polnische Künstler Władysław Strzemiński, der im Polen der Nachkriegszeit zur Speerspitze der Avantgarde gehörte. Wajda benutzt dessen Biografie jedoch nur als lose Vorlage, um mit einer starken Hauptfigur eine Geschichte aus der Zeit des Stalinismus zu erzählen – einer Zeit, in der die staatliche Doktrin alle Abweichler aussortierte, abstrakte Gemälde aus den Museen verbannte und auch aus den Universitäten diejenigen vertrieb, die nicht die neuen kommunistischen Mantren nachsangen.

Mit dem Porträt eines unbeugsamen Mannes, der zu seinen Prinzipien steht und deshalb auf der sozialen Leiter bis ganz unten durchgereicht wird, schuf Wajda eine Parabel auf alle totalitären Systeme und erwies sich ein letztes Mal als Filmemacher, der zu gleichen Teilen politischer Kommentator und Leinwandästhet war.