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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 6,50 Euro    
  Jeden Tag 3,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder  more
Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Kinderfilm 4,- Euro Gruppen ab 10 Kinder 2,50 Euro  
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
 
 
 

Für Bruno S.

 

30.8. – 15.9.

  BABYLON zeigt vom 30.8. – 15.9. „Jeder für sich und Gott gegen alle – Kaspar Hauser”, „Stroszek” und „Phantomanie” und die Doku „Bruno S.- Die Fremde ist der Tod“.


Bruno Schleinstein, Hauptdarsteller in Werner Herzogs Kaspar-Hauser-Film „Jeder für sich und Gott gegen alle“, ist am 11. August verstorben. Der Schauspieler, Maler und Musiker starb im Alter von 78 Jahren in Berlin an Herzversagen. Als Bruno S. trat Schleinstein auch in Herzogs „Stroszek“ auf. An der Seite von Eva Mattes spielte er darin einen Straßenmusiker.
Nach seinen Filmerfolgen widmete sich Schleinstein der Malerei und zog als Musiker durch Berliner Hinterhöfe, wo er Akkordeon, Ziehharmonika, Xylofon und Glöckchen spielte. In fast allen Bezirken West-Berlins trat er mit seinen eigenen Versionen alter Moritaten auf, die von menschlichen Schwächen und verlorener Heimat berichteten und ein deprimierendes Menschenbild zeichneten.
  Foto-Kredit: Miron Zownir
   
  Jeder für sich und Gott gegen alle – Kaspar Hauser 
D 1974, R: Werner Herzog, mit Bruno S., Walter Ladengast, Brigitte Mira, Willy Semmelrogge, Herbert Achternbusch, 35mm, 110 Min

1829 taucht in Nürnberg ein geheimnisvoller junger Mann auf. Er kann kaum gehen und sprechen. Sein Leben lang war er in einem Kellerloch eingesperrt, ohne jeden menschlichen Kontakt. Sofort erweckt er die Neugier der Biedermeier-Gesellschaft. Bei seinem Lehrer lernt er lesen, schreiben und die gesellschaftlichen Umgangsformen. Doch seine naive, unverbildete Logik stößt auf Unverständnis: Sie provoziert, entlarvt und verspottet die Gesellschaft. Das Ende seiner Gefangenschaft bringt Kaspar Hauser keine Befreiung ...
Anhand authentischer Dokumente aus dem 19. Jahrhundert erzählt Werner Herzog die Geschichte des Kaspar Hauser und setzt mit diesem international ausgezeichneten Film Maßstäbe. Ungeklärt wie seine Herkunft ist noch bis heute Kaspar Hausers Ende.

Mi, 1.9. 21:30 / Fr, 3.9. 21:30 / Mo, 6.9. 21:15 / Fr, 10.9. 22:00 / Mi, 15.9. 21:45
   
  Stroszek
D 1976, R: Werner Herzog, mit Bruno S., Eva Mattes, Wilhelm von Homburg, Burkhard Driest, 35mm, 108 Min

Werner Herzogs Stroszek ist nur auf Grund eines gebrochenen Versprechens entstanden: Nachdem Herzog zusammen mit dem Laiendarsteller Bruno S. 1974 den Film Jeder für sich und Gott gegen alle – Kaspar Hauser inszeniert hatte, versprach der Regisseur dem Berliner Hinterhofmusiker noch einen weiteren Film, nämlich Woyzeck, mit ihm zu drehen. Als sich Herzog an die Planung zu Woyzeck heran machte, stellte er jedoch fest, dass dies keine Rolle für Bruno S. sei, sondern viel besser zu Klaus Kinski, mit dem er bereits bei Aguirre – Der Zorn Gottes (1971) zusammengearbeitet hatte, passte. Und so versprach Herzog Bruno S. am Telefon, dass er ein neues Drehbuch für einen ganz neuen Film für ihn schreiben würde – und das innerhalb einer Woche. Stroszek klingt deshalb nicht nur zufällig so ähnlich wie Woyzeck.

Auf der Suche nach dem großen Glück wandert der Kleinganove und Straßensänger Bruno S. kurz nach seiner erneuten Entlassung aus dem Berliner Gefängnis samt Streuner-Freundin Eva und Nachbar Scheitz nach Amerika aus. Das ungewöhnliche Trio will auf der anderen Seite vom großen Ozean sein Glück versuchen. In einem gemütlich warmen 21 Meter langen Wohnwagen in Wisconsin finden sie es, doch es ist nicht von langer Dauer. Nach Zahlungsschwierigkeiten wird der Wohnwagen versteigert und der Traum zerplatzt. Zu allem Unglück wird Stroszek auch noch von Eva verlassen. Wird die Glückssuche im Fiasko enden?

Mo, 30.8. 22:00 / Sa, 4.9. 21:30 / Di, 7.9. 22:00 / Mo, 13.9. 22:00 / Fr, 10.9. 17:45
   
  PHANTOMANIE
D 2009, R: Miron Zownir, mit Bruno S., Hans Michael Rehberg, Geno Lechner, Soundtrack: Alec Empire, 83 Min, OmenglUT

In PHANTOMANIE kehrte der 77 Jährige in der Rolle des obdachlosen Bruno endlich wieder auf die Leinwand zurück. Bruno, der sich hoch über den Dächern der Stadt in der Ruine einer verlassenen Abhörstation eingerichtet hat, ist der letzte Freund den Aufschneider LARRY (George Nickel) noch hat. Denn was immer Larry angeht, geht schief: Er schuldet den falschen Leuten Geld und ist auf der Flucht vor einem ominösen Pfaffen, der die Bibel allzu wörtlich nimmt. Auch an der häuslichen Front droht Ärger. Seine Freundin LILLY (Vivien Bullert) ist enttäuscht von ihrer fruchtlosen Beziehung und nervt mit ihren Wunschwahnvorstellungen. Bruno sieht die Katastrophe kommen, kann sie aber nicht verhindern.
In Phantomanie kehrt Bruno S. an der Seite von Hans Michael Rehberg, Geno Lechner und Natalia Avelon nach langen Jahrzehnten der Vergessenheit wieder auf die Leinwand zurück. In der Rolle des Bruno reflektiert er eiskalte Einsamkeit und Verzweiflung inmitten einer absurden, menschenverachtenden Welt.

So, 5.9. 20:15 / Sa, 11.9 22:00 / Di, 14.9. 21:45
   
  Bruno S.- Die Fremde ist der Tod
D 2002, R: Miron Zownir, mit Bruno S., Harry Hass, Lars Rudolph, Klaus Theuerkauf, Alexander Hacke , Fritz Schuler, 60 Min

Als Bruno S., der sein Leben bis dahin in Heimen, Obdachlosenasylen und psychiatrischen Anstalten verbracht hatte, 1975 zu den Filmfestspielen nach Cannes reiste, wurde er dort wie ein Star gefeiert. Durch seine Darstellung des Kaspar Hauser in Werner Herzogs Film JEDER FÜR SICH UND GOTT GEGEN ALLE – KASPAR HAUSER schien dem oftmals verspotteten Außenseiter endlich der Ausbruch aus seiner Isolation gelungen zu sein. Mit seinem nächsten Film STROSZEK, den er wiederum mit Bruno S. in der Hauptrolle besetzte, wollte Herzog ihm nach eigener Aussage „ein Monument“ setzen. Doch mit diesem Teil seiner Vergangenheit hat der inzwischen 70-jährige Bruno S. abgeschlossen. Die Distanz, die er zu sich findet,wenn er in der dritten Person von sich spricht, scheint ihm zu helfen, die vielen Verletzungen seiner Seele von außen zu betrachten: „Da haben sie ihn gesucht und gebraucht dafür. Bruno ist doch nur ein Wegwerfartikel.“ Denn dem kurzen, schnellen Ruhm folgten lange Jahre der Einsamkeit, in denen der Briefkasten leer blieb und das Telefon in seiner engen Wohnung viel zu selten klingelte. Auf Bruno S. angesprochen, zeigte sich sein Entdecker Herzog erstaunt: „Ach, der lebt noch?“ Wie Bruno S. lebt, zeigt dieser Dokumentarfilm. Dabei geht es nicht darum, ihn als Opfer von Institutionen und Vorurteilen zu zeigen, sondern als einen Menschen, der allen Benachteiligungen zum Trotz ohne fremde Hilfe seinen eigenständigen Weg gefunden hat. Gegen die ihm widerfahrenen Ungerechtigkeiten versucht er sich zu wehren, indem er Bilder malt und seit 30 Jahren mit seinen Musikinstrumenten um Berlins Häuser zieht. In den Texten der Lieder, die Bruno begleiten, findet er seine Gefühle genau beschrieben.

Fr, 3.9. 18:15 / MI, 8.9. 18:15 / DO, 9.9. 22:00 / So, 12.9. 20:30