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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 6,50 Euro    
  Jeden Tag 3,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder  more
  Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Kinderfilm 4,- Euro Gruppen ab 10 Kinder 2,50 Euro  
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
 
 

UNFERTIG SCHÖN - ANDREAS DRESEN

 

FILME UND GESPRÄCHE AB 19.6.09

  Die Filme      -     Programm     -    Filme Beschreibungen     -    Sa, 20.6.   Andreas Dresen LIVE
  Wenn die Katzen streunen, wenn sich der laszive Mond wieder über die lauen Sommernächte Berlins erhebt und die Lindenblüten ihren betäubenden Duft verströmen, dann ist sie wieder da: Die Zeit der Sehnsucht, der Erfüllung und der Fragen. Kein besserer Ort als draußen auf’m Balkon: Sommer vorm Balkon! Das ist der Film, mit dem sich der Nichtberliner Andreas Dresen in die Herzen der Bewohner dieser Stadt eingespielt hat. Wohl kaum ein anderer deutscher Regisseur kann derzeit dieses besondere Etwas der kleinen Leute so überzeugend alltäglich widerspiegeln.
Und gerade in Berlin - der Hauptstadt der mittellosen und liebenswerten Lebenskünstler - ist dieses Unfertige und Schöne präsent wie nirgendwo. So beobachten wir in Nachtgestalten die Suche von zwei Obdachlosen nach einer Nacht in einem richtigen Bett. Ein Mann, dem es schwer fällt Nein zu sagen, hilft einem verlassenen, afrikanischen Kind zu etwas temporärer Geborgenheit. Was für eine Tragödie, wenn die obdachlose Frau ihre BVG Karte ausgerechnet in einem Taxi verliert und einem genervten Polizisten die Situation zu erklären versucht. Dieser wird von Axel Prahl gespielt, welcher Andreas Dresen hier seine erste Leinwandpräsenz verdankt. In der tragenden Nebenrolle von Dresens nächstem Film Die Polizistin, kann er dann seine ganze Knorrigkeit entfalten, die ihn so unverwechselbar macht. Ein Stehaufmännchen, das pragmatisch durchs Leben stapft und nichts anbrennen lässt. Mit der Polizistin beweist Dresen bei seiner Heldenwahl wiederholt Mut. Denn Anne (Gabriela Maria Schmeide) ist eine Antiheldin, die gern mal Gnade vor Recht ergehen lässt – ganz im Gegensatz zu ihren unzähligen, attraktiven, männlichen Leinwand Kollegen, die nur zu gern das Gesetz zum Vorwand nehmen, um ihren inneren Schweinehund von der Leine zu lassen. Es ist absolut anrührend, wie Anne umgeben von verheirateten Kollegen und Kleinkriminellen nach Erfüllung und ein bisschen Wärme sucht. Bezeichnend ist auch, wie Dresen mit seiner Koautorin Laila Stieler von Sender zu Sender geschickt wurden und jahrelang keine Gegenliebe fanden.

Dass Dresen ein Dickkopf ist, der sich Jenseits von Klein Wanzleben und normativen Vorgaben auf die Suche nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit begibt, hat er bereits mit seinen sehenswerten Kurzfilmen an der HFF – Konrad Wolf bewiesen. In seiner ersten Übung Konsequenzen – Peter, 25 beschreibt er einen Fließbandarbeiter, der sein Spind räumt und die behütete und fertige Welt verlässt, um wie Hans draußen sein Glück zu suchen. Ein stiller Aufbruch, ohne Special Effects, aber durchaus radikal und nachhaltig. Vor diesem Hintergrund kann man in Stilles Land, seinem letzten Film mit der HFF, mehr entdecken, als nur einen verspäteten Abgesang auf die DDR. Resignation und Aufbruch lassen sich jedenfalls nicht nur über eine Orts- oder Gesellschaftsveränderung beschreiben. Schließlich ging es Dresen auch in seinem bisher letzen Film Wolke 9, der in Cannes nicht ohne Grund mit Standing Ovations gefeiert wurde, um die gleiche Konstellation: Inge ist seit 30 Jahren mit Werner verheiratet, sie geht auf die 70 zu und verliebt sich trotzdem in den 80jährigen Karl. Ja darf man denn so etwas? Und da sind sie wieder, die Fragen nach Wahrheit und der ewigen Liebe, dem Scheitern und dem Glück beim Wiederaufstehen. Das Recht auf sein eigenes Leben im Zusammenspiel mit den Anderen.

Dieses Suchen nach der brüchigen, unerwarteten, flüchtigen Schönheit nimmt Dresen nicht nur als Regisseur gefangen. Erlebt man ihn, wie er von seinen Filmen spricht und dabei oft Persönliches preisgibt, erkennt man schnell den verblüffenden Gleichklang von Regisseur und Werk. Das macht die Begegnungen mit ihm so wertvoll. Wenn er am Samstag, den 20. Juni im Babylon ab 16.30 über seine Arbeit spricht, erwartet uns keine Inszenierung eines medialen Stars, sondern die Begegnung mit einem suchenden Regisseur, der sich auf seine Zuhörer einstellt und sie ernst nimmt.
Das Babylon zeigt in der Reihe Andreas Dresen – Unfertig Schön fast das gesamte Oeuvre des Filmemachers. Angefangen mit den Kurzfilmen der Studienzeit, von denen ich vor allem So schnell es geht nach Istanbul hervorheben möchte und bei dem der Zuschauer durch Beobachtung Dinge erfährt, die Dialoge schwer vermitteln können. Das ist großes Kino! Danach folgt eine Reihe von Produktionen, die Dresen für das Fernsehen realisiert hat. Gleich die Erste, Mein unbekannter Ehemann, wurde in der Hauptsendezeit platziert und gilt, gemessen an der Einschaltquote, als Zuschauerliebling unter allen Dresenfilmen. Das andere Leben des Herrn Kreins basiert auf einem Szenarium von Ulrich Plenzdorf. Mit Nachtgestalten gelingt Dresen dann der Einzug ins Kino, obwohl er, wie er immer betont, dem Fernsehformat mit gleichem, künstlerischen Anspruch begegnet. In Halbe Treppe sehen wir wieder Axel Prahl (Uwe), diesmal als gehörntem Ehemann, der den praktischen Dingen des Lebens zugetan ist, dessen Frau Ellen sich aber ein anderes Leben erträumt. Immer wieder bricht aus dem Alltag der Slapstick, so auch als Uwe und Ellen inmitten eines riesigen Neubaukomplexes nach ihrem entfleuchten Wellensittich (Liebe) Ausschau halten und damit ein kurioses Bild ihrer Beziehung bieten.

Dieses Foto schlug Andreas Dresen als Plakat für die Retrospektive vor. Und obwohl die Geschichte in Frankfurt an der Grenze zu Polen spielt, könnte sie genauso in Marzahn, aber auch in Schöneberg oder Zehlendorf angesiedelt sein. Andreas Dresen beobachtet, sucht und inszeniert die Fußangeln und Fallstricke des Alltags beim Streben nach dem Glück. Und wer von sich behaupten will, ich bin ein Berliner, der sollte sich die Filme und insbesondere den Regisseur im Babylon nicht entgehen lassen.  (Timothy Grossman)

   
 

DIE FILME

 

Das andere Leben des Herrn Kreins (D 1994, 55 Min)
Die Polizistin (D 2000, 97 Min)
Halbe Treppe (D 2001, 110 Min)
Herr Wichmann von der CDU (D 2002, 71 Min)

HHF Kurzfilmprogramm
     KONSEQUENZEN - Peter 25 Jahre (DDR 1987, HFF "Konrad Wolf", 7 Min)
     NACHTS SCHLAFEN DIE RATTEN (DDR 1988, 10 Min, mit Werner Dissel)
     WAS JEDER MUSS... (DDR 1988, HFF "Konrad Wolf", 19 Min)
     JENSEITS VON KLEIN WANZLEBEN (DDR 1989, HFF "Konrad Wolf", R: Andreas Dresen, 41 Min)
     ZUG IN DIE FERNE (1990, HHF "Konrad Wolf", 20 Min)
     SO SCHNELL ES GEHT NACH ISTANBUL (DDR 1990, HHF "Konrad Wolf", 45 Min)

Kuckuckskinder (D, 1994, 90 Min, Dokumentarfilm)
Mein unbekannter Ehemann (D, 1995, Komödie, 85 Min)
Nachtgestalten (D 1998, 104 Min)
Polizeiruf 110 - Tausch (Krimi, D 1997, 90 Min)
Stilles Land (D, 1992, 45 Min)
Willenbrock (D 2004,107 Min)
Wolke 9 (D 2008, 98 Min)

   
 

PROGRAMM

 

Fr. 19.6.

  20.00 Halbe Treppe
22.00 Nachtgestalten
   
 

Sa. 20.6.

  16:30 Live: Selbstauskunft Andreas Dresen I (bis 18.00)
18.30 Live: Selbstauskunft Andreas Dresen II (bis 20:00)
20.15 Wolke 9
22.00 Sommer vorm Balkon
   
 

So. 21.6.

  16.00 Herr Wichmann von der CDU
17.30 Willenbrock
19.30 Das andere Leben des Herrn Kreins
   
 

Mo. 22.6.

  18.15 Raus aus der Haut
20.00 Wolke 9
21.45 Die Polizistin
   
 

Di. 23.6.

  18.00 So schnell es geht nach Istanbul und  Stilles Land
20.00 Nachtgestalten
22.00 Willenbrock
   
 

Mi. 24.6.

  18.00 Mein unbekannter Ehemann
19.45 Sommer vorm Balkon
21.45 Herr Wichmann von der CDU
   
 

Do. 25.6.

  18.15 Kuckuckskinder
20.00 Halbe Treppe
22.00 Die Polizistin
   
 

Fr. 26.6.

  18.00 Wolke 9
20.00 Sommer vorm Balkon
22.00 Nachtgestalten
   
 

Sa. 27.6.

  18.15 Polizeiruf 110 - Tausch
20.00 Halbe Treppe
22.00 Sommer vorm Balkon
   
 

So. 28.6.

  14.15 Wolke 9
20.00 Halbe Treppe
   
 

Mo. 29.6.

  18.15 Herr Wichmann von der CDU
19.45 Willenbrock
21.45 So schnell es geht nach Istanbul und  Stilles Land
   
 

Di. 30.6.

  18.15 HFF Kurzfilme
20.00 Wolke 9
22.00 Die Polizistin
   
 

Mi. 01.7.

  18.00 Willenbrock
20.00 Sommer vorm Balkon
22.00 Halbe Treppe
   
 

DIE FILME - BESCHREIBUNG

   
 

Das andere Leben des Herrn Kreins

  (D 1994, Drama, Literaturverfilmung, 55 Min, R: Andreas Dresen ,Drehbuch: Ulrich Plenzdorf , mit Simone von Zglinicki als Martha, Sekretärin, Dietrich Körner als Lukas Laban, Reimar Johannes Baur als Theo Kreins)

Verfilmung eines Theaterstückes des serbischen Autors Dusan Kovacevic. Ein Schriftsteller, der sich Jahrzehnte lang dem Kampf gegen die inzwischen überwundene Diktatur gewidmet hat, und ein Mitläufer, der den Schriftsteller im Auftrag des Regimes bespitzelt hat, ziehen jeder auf seine Weise eine ernüchterte Bilanz ihres Daseins unter den gewandelten Verhältnissen. (zweitausendeins.de)

   
 

Die Polizistin

 

(D 2000, R: Andreas Dresen, mit Axel Prahl, Katrin Saß, Horst Krause, 97 Min)

 

Die junge Polizistin Anne verschlägt es nach ihrer Ausbildung ausgerechnet in den Rostocker Problembezirk Lütten-Klein. Doch die Ostsee ist nah und die Hoffnung auf einen beruflichen und privaten Neuanfang groß. Von ihrem Kollegen Mike fühlt sie sich angezogen, während ihr gleichzeitig bewusst ist, dass er als gestandener Familienvater kaum der Richtige für sie ist. Als Anne den 10jährigen Benny trifft, der in seinem familiären Umfeld keinen Halt findet, beschließt sie, sich um ihn zu kümmern. Dabei lernt sie Bennys leiblichen Vater Jegor kennen, einen russischen Kleinkriminellen, zu dem sie sich auf eigenartige Weise hingezogen fühlt. - Nach Motiven aus dem Tagebuch "Meine Nachtgestalten" der Ex-Polizistin Annegret Held. Erste Filmrolle für die am Bremer Theater arbeitende Hauptdarstellerin Schmeide. Regisseur Dresen hat zuvor "Stilles Land" (1992) und "Nachtgestalten" (1999) gedreht. Der Film, der im Oktober 2000 in der ARD ausgestrahlt wurde, erhielt den Adolf Grimme Preis mit Gold. Nebendarstellerin Katrin Saß ist zur Zeit auch in dem Film "Heidi M." (2001) zu sehen.
Foto: Piffl

   
 

Halbe Treppe

 

(D 2001, R: Andreas Dresen, mit Axel Prahl, Steffi Kühnert, Thorsten Merten, Gabriela Maria Schmeide, 110 Min)

 

Zwei Paare in Frankfurt/Oder auf halber Treppe ihres Lebens, dort, wo ein wenig verweilt wird, nachdem sich das Leben seine Routinen gesucht hat, und wo die Mühen des Existenzaufbaus ersten Tribut fordern. Dort angekommen, gelingt es nicht allen, sich wieder aufzuraffen und weitere Stufen des Weges zu erklimmen. Auch die befreundeten Paare Kukowski und Düring stecken dort fest. Chris und Katrin Düring haben sich in Alltag und Bett nicht mehr viel zu sagen, während Uwe Kukowski fast rund um die Uhr in seiner Imbissbude HALBE TREPPE schuftet und darüber seine Frau Ellen und die Kinder vergisst.

Kein Wunder, dass sich die vereinsamte Ellen und der auf Abwechslung drängende Chris näher kommen. Aber das Verhältnis fliegt auf, und plötzlich scheinen bei allen die Karten neu gemischt. Bewegung kommt in den fest gefahrenen Alltag, das Leben wird wieder hinterfragt, und auf einmal zeigt sich, dass kleine Wunder möglich sind.

Zum Schluss sind die 17 Hippies komplett, die als musikalischer Running-Gag durch den Film ziehen und neue Lebenslust verheißen.
Text & Foto: Delphi

   
 

Herr Wichmann von der CDU

 

(D 2002. R: Andreas Dresen, 71 Min)
Dokumentarfilm über den Wahlkampf eines Bundestagskandidaten der CDU, der in der brandenburgischen Uckermark auf verlorenem Posten steht und zunehmend verdrossen Werbung in eigener Sache macht. Der hellsichtige und zugleich erhellende Film ist ein Glücksfall für den politischen Dokumentarismus, der über den konkreten Einzelfall hinaus auch die fundamentale Krise der bundesdeutschen Demokratie reflektiert.

   
 

HFF Kurzfilmprogramm   ca.90'

  KONSEQUENZEN - Peter 25 Jahre
(DDR 1987, HFF "Konrad Wolf", 7 Min)
Der letzte Arbeitstag eines Industriearbeiters in der DDR zwischen lauten Maschinen, Duschräumen und Lebensplänen gegen die Vernunft.
   
  WAS JEDER MUSS
(DDR 1988, HFF "Konrad Wolf", 19 Min)
Susanne und Dieter sind 20. Sie haben gerade ein Baby bekommen. Das Familienleben könnte beginnen, aber Dieter muss zur Armee. Der Film begleitet ihn die ersten sechs Wochen, zeigt Zweifel, Einsichten und Zustände, die kaum zu akzeptieren sind. Ein kleiner realistischer Blick in die NVA vor der Wende.
   
  NACHTS SCHLAFEN DIE RATTEN
(DDR 1988, 10 Min, HHF "Konrad Wolf"mit Werner Dissel)
Ein kleiner Junge in einer extremen Situation. Ein alter Mann versucht zaghaft zu helfen, zwei Menschen finden zwischen überstandenen und drohenden Katastrophen zueinander.
   
  ZUG IN DIE FERNE
(DDR 1990, HHF "Konrad Wolf", 20 Min)
Ein trostloser Provinzbahnhof und sechs Personen, die auf den verspäteten Anschlusszug zum Hauptbahnhof warten. Über das Fernweh und die Sehnsucht der Eingeschlossenen im Oktober 1989, als den November noch keiner vermutete.
Quelle: Filmgalerie 451
   
  JENSEITS VON KLEIN WANZLEBEN
(DDR 1989, HHF "Konrad Wolf", R: Andreas Dresen, 41 Min)

Alltag einer kleinen DDR-Brigade, die im Busch von Simbabwe junge Afrikaner ausbildet. Flucht vor geordneten Verhältnissen,, aus der Provinz in die Welt - was ist daraus geworden? Ansprüche und ihre Verwirklichung. Schrankwände und Klopapier im Dschungel sind nur ein Indiz dafür, was enge Grenzen aus uns machen. Die Begegnung zweier Kulturen wird zur Begegnung verschiedener Welten - jenseits von Klein Wanzleben in der DDR, südlich des Äquators in Simbabwe.
   
  SO SCHNELL ES GEHT NACH ISTANBUL
(DDR 1990, HHF "Konrad Wolf", 45 Min, R: Andreas Dresen, nach der Erzählung „Romeo“ von Jurek Becker, mit Yüksel Yolcu, Jana Mattukat)
Eine ungewöhnliche Begegnung, kurz nach der Öffnung der Mauer und ein Plan, der dann doch nicht ganz verwirklicht wird. Der einfache, schwierige Weg, ein reicher Mann zu werden: Ein Türke im kalten, nassen Berlin braucht Geld, um möglichst schnell in die Türkei zurückzukehren. Er findet heraus, daß man eine Menge sparen kann, wenn man in Ostberlin billig legt und im Westen nur arbeitet - für das bessere Geld. Das einzige, was man dazu braucht, ist ein Mädchen mit einem großen Zimmer..."Eine Beobachtung aus den späten Tagen der DDR, gut gesehen und mit leichter Hand hingeworfen, mit Witz und ironischer Distanz in Szene gesetzt" (Tagesspiegel Berlin 1991)
   
 

Kuckuckskinder

  (D, 1994, 90 Min, Dokumentarfilm)
  Die 14-jährige Berlinerin Fanny sucht nach einem Halt im Leben. TV-Dokumentarfilm

Berlin im Dezember 1993: Fanny hat in ihren 14 Lebensjahren schon mehr durchgemacht als mancher Erwachsener. Nach dem Bruch mit ihren Eltern, einem Jahr auf der Straße und einer Odyssee durch verschiedene Heime, soll sie im offenen Kinderhaus Hohenschönhausen einen Neuanfang wagen. Aber auch hier hält sie es nur vier Wochen aus. Dann ist Fanny wieder einmal spurlos verschwunden... Der Dokumentarfilm von Andreas Dresen ("Nachtgestalten") beschließt den B-1-Themenabend über "Berliner Kinderschicksale". Ihm gelang eine bedrückende Zeitaufnahme über das oft totgeschwiegene Thema Armut. (tvspielfilm.de)
   
 

Mein unbekannter Ehemann

  (D 1995, Komödie, 85 Min, R: Andreas Dresen, mit  Sabine Urig, Ade Sapara, Jeanette Arndt, Dirk Glodde, Rade Radovic, Horst Schäfer)

Großherzig geht Britta eine Scheinehe mit dem Afrikaner Farouk ein. Das hat ungeahnte Folgen für ihr Gefühlsleben. TV-Komödie von Andreas Dresen

Britta (Sabine Urig) ist füllig, etwas pedantisch, und ohne Mann. Ihre hübsche Freundin Claudia hat deren gleich zwei: einen Langweiler zum Gatten, und einen afrikanischen Liebhaber namens Farouk (Ade Sapara). Als Farouk aus Deutschland abgeschoben werden soll, bringt Claudia ihre Freundin dazu, den schönen Fremden zum Schein zu heiraten. Doch Farouk bringt Brittas wohlgeordnetes Gefühlsleben ziemlich durcheinander… Eine dezente, liebevoll beobachtete Komödie über multikulturelle Missverständnisse und Stolpersteine. Die etwas andere Lovestory wurde 1995 mit dem Förderpreis des Max-Ophüls-Filmfestivals ausgezeichnet. Regietalent Andreas Dresen landete mit "Nachtgestalten" und "Halbe Treppe" schon zwei Programmkino-Hits. (tvspielfilm.de)

   
 

Nachtgestalten

 

(D 1998, R: Andreas Dresen, mit Michael Gwisdek, Dominique Horwitz, Horst Krause, 104 Min)

In der Nacht, in der der Papst zu einem (fiktiven) Besuch in Berlin weilt, findet eine Handvoll Menschen keine Ruhe: ein Stadtstreicher-Paar, ein junger Bauer vom Land, ein Angestellter, der einem afrikanischen Jungen begegnet. Alle sind auf der Suche nach Wärme, Geborgenheit und bescheidenem Glück, das sich in ihrem mühsamen Leben nur selten finden lässt. Die lose verwobenen Geschichten entwickeln ein tiefes Gespür für die Not und leben vom aufrichtigen Interesse an den Figuren. Ein mutiger Film voller Intensität und Lebendigkeit, der eine ungeglättete Annäherung an die Wirklichkeit wagt.

   
 

Polizeiruf 110 - Tausch

  (Krimi, D 1997, 90 Min, R: Andreas Dresen, mit Günter Naumann, Manfred Möck, Ulrike Krumbiegel, Sophie Rois, Peter Wilczynski, Ernst Georg Schwill)

TV-Krimi. Die Polizei sucht ein entführtes Baby.

Während Katja Kratz (Ulrike Krumbiegel) einkaufen ist, wird ihr Baby Marius aus dem Kinderwagen entführt. Dafür liegt dort nun Ben, der Sohn der Alkoholikerin Evelin Friedau (Sophie Rois). Zeugen für den Tausch gibt es keine. Für den besonnenen Hauptkommissar Beck (Günther Naumann) und seine Kollegen von der Erfurter Kriminalpolizei beginnt nun ein Fall mit unerquicklichen Wendungen…Regisseur Dresen nutzt die oft konstruierte Story der Entführung (ist es überhaupt eine?), um den Konflikt zwischen der alten und der neuen Schnüfflergeneration ins Bild zu setzen. Hier der alternde, menschelnde Beck, dort sein junger Assistent Lindemann (Manfred Möck), dem der Ehrgeiz das Urteilsvermögen trübt. Gottlob helfen die durchweg anständigen Darstellerleistungen über die Ecken der Geschichte hinweg.
Kantige Geschichte rund gespielt. (tvspielfilm.de)
   
 

Raus aus der Haut

 

(D 1997, Komödie, R: Andreas Dresen, mit  Susanne Bormann, Fabian Busch, Otto Mellies, Matthias Walter, Manfred Möck, Franziska Troegner)

Zwei Schüler wollen ihre Zukunft mit einem Plan retten. Tragikomödie

Sommer 1977 in der DDR: Anna-Maria (Susanne Bormann) hat aus Westzeitungen Artikel über die RAF ausgeschnitten, ist von Schuldirektor Rottmann (Otto Mellies) erwischt worden und muß nun um ihren Studienplatz fürchten. Ihr Klassenkamerad und heimlicher Verehrer Marcus (Fabian Busch) will ihr helfen und fliegt ebenfalls auf. In ihrer Verzweiflung entwickelt Anna-Maria eine wahnwitzige Idee: nach dem Vorbild der Schleyer-Entführer Rottmann kidnappen! Der abenteuerliche Einfall hat böse FolgenÉWie ihre westlichen Altersgenossen wollten auch die DDR-Teens in den 70er Jahren "raus aus ihrer Haut". Autor Torsten Schulz schrieb diese Story aus "Lust auf eine kleine Legende"; der Titel bezieht sich auf einen Song der in der DDR verbotenen Rockband "Renft". (tvspielfilm.de)

   
 

Sommer vorm Balkon

  (D 2005, Regie: Andreas Dresen, mit: Inka Friedrich, Nadja Uhl, Andreas Schmidt, Stephanie Schönfeld, Christel Peters, Kurt Radeke, Hannes Stelzer, Vincent Redetzki, FSK: ab 12, 107 Min)

Ein Sommer in Berlin. In einem alten Mietshaus wohnen die Freundinnen Katrin (Inka Friedrich) und Nike (Nadja Uhl). Nike hat einen Balkon, Katrin hat einen Sohn, Ronald fährt einen Truck, Tina ist Kellnerin, Oskar und Helene sind alt und allein. Ob mitten im Leben oder fast am Ende, sie alle fragen sich das Gleiche: Dauert die Liebe über die Jahreszeiten? Oder ist sie nur ein Botenstoff im Hirn, der kommt und geht? Es wird gelebt und geliebt, und es ist immer noch Sommer in Berlin.

Mit präzisem Blick und großer Liebe zu den Figuren hat Regisseur Andreas Dresen die Geschichte von zwei Freundinnen verfilmt. Zwischen Himmel und Erde sitzen sie auf dem Balkon und blicken auf das bunte, schwierige Dasein, in dem die richtigen Männer oft die falschen sind und in dem man besser durchkommt, wenn man nicht nur schön ist, sondern auch stark.

Der Autor Wolfgang Kohlhaase, ein Spezialist für lakonische Dialoge, erzählt davon mit Leichtigkeit, und der Film hält ohne Mühe die Balance zwischen Komik und Tragik. Nicht zuletzt dank eines großartigen Darsteller- Ensembles (Inka Friedrich, Nadja Uhl, Andreas Schmidt u.a.) ist Andreas Dresen mit SOMMER VORM BALKON eine bezaubernde Komödie gelungen, getragen von Wärme, Herzlichkeit und hinreißendem Humor. So ist das Leben. Aber wirklich!
Text & Foto: X Verleih
   
 

Stilles Land

 

(D 1992, 45 Min, R: Andreas Dresen, mit Kurt Böwe, Jeannette Arndt, Horst Westphal)

Ein Film über den Abschied von gestern und das Ende der DDR, dargestellt am Beispiel eines Kleinstadt-Theaters in den bewegten Zeiten der deutschen Wiedervereinigung. Ein Film über die deutsche Provinz allgemein und über deutsche Provinzbühnen im Besonderen. Kai, ein junger idealistischer Regisseur, kommt voller Tatendrang an ein kleines Theater im Norden der DDR. Er will seine Vision von "Warten auf Godot" auf die Bühne bringen. Doch seine Ideen und sein Enthusiasmus stoßen bei den Ensemble-Mitgliedern auf Unverständnis und Gleichgültigkeit.

   
 

Willenbrock

 

(D 2004,107 Min, R: Andreas Dresen, mit Axel Prahl, Dagmar Manzel, Tilo Prückner, Andrzej Szopa, Wladimir Tarasjanz)

Mit der Geschichte von Willenbrock, einem Autohändler, dessen Leben aus den Fugen gerät, erzählt Regisseur Andreas Dresen mit Humor und Wärme und einem analytischen Blick für aktuelle gesellschaftliche Umstände von einer für selbstverständlich angenommenen Sicherheit, die angreifbar macht und trügerisch ist.

Bernd Willenbrock (Axel Prahl) ist Gebrauchtwagenhändler und hat es zu etwas gebracht. Er weiß das Leben zu nehmen, ist verheiratet und lässt auch nebenher nichts anbrennen. Seine Welt scheint ihm sicher und überschaubar.

Doch durch einen brutalen Überfall wird er unerwartet aus seinen Gewohnheiten gerissen und jeglicher Sicherheiten beraubt. Verzweifelt versucht er, die Kontrolle über sein Leben wiederzuerlangen. Mit der Pistole, die ihm sein bester Kunde schenkt, ändert sich sein Leben.
Text & Foto: Delphi

 
 

Wolke 9

  (D 2008, R: Andreas Dresen, mit Ursula Werner, Horst Westphal, Horst Rehberg, Steffi Kühnert, FSK: ab 12, 98 Min)
Inge (Ursula Werner) geht auf die 70 zu, aber fühlt sich wie 17. Sie hat sich verliebt. Karl (Horst Westphal) wird bald 80. Es ist Leidenschaft. Es ist Sex. Dass ihr das noch einmal passiert, hätte sie nicht gedacht.

Inge ist mit Werner (Horst Rehberg) verheiratet. Seit 30 Jahren. Sie liebt ihren Mann. Er war immer gut zu ihr. Liebe braucht Zeit. Die haben alle drei nicht mehr ...

Andreas Dresen erzählt mit WOLKE 9 eine ebenso wunderbare wie kompromisslose Liebesgeschichte fernab gesellschaftlicher Klischees. Mit dem Team von "Halbe Treppe", digitaler Technik und einem einzigartigen Schauspielerensemble hat er improvisiert und einen radikalen, ungewöhnlichen Film über Sehnsüchte, Liebe und Sexualität im Alter inszeniert.