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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 6,50 Euro    
  Jeden Tag 3,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder  more
Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Kinderfilm 4,- Euro Gruppen ab 10 Kinder 2,50 Euro  
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
 
   
 

Mi 11. bis So.15. März 2009 

 

Filmtage und Diskussion 

 

Alltag und Gewalt in Lateinamerika 

 

DAS BABYLON IN KOOPERATION MIT DER

  Mehr als 5.500 Tote im mexikanischen Drogenkrieg 2008, gezielte Morde an Frauen, Massaker der brasilianischen Polizei in den Favelas von Rio de Janeiro und gleichzeitig immer höhere Mauern um die Viertel der Reichen, gepanzerte Autos, implantierte Chips, um im Entführungsfall lokalisiert zu werden – das Thema Gewalt und Sicherheit spielt eine immer größere Rolle im Leben und Alltag vieler Menschen in Lateinamerika. Staatliche und nicht-staatliche Gewalt entwickeln sich zu einem fast selbstverständlichen, kaum noch hinterfragten Instrument für die Lösung gesellschaftlicher Konflikte. Häufig schwache Justizsysteme und weitgehende Straflosigkeit unterstützen diesen Trend.

Gleichzeitig nimmt die Korruption bei Beamten und Polizei zu. Die Hälfte der mexikanischen Polizei (so die Süddeutsche Zeitung am 6.12.08) und zahlreiche Stadtverwaltungen werden sogar vom eigenen Präsidenten als korrupt eingestuft. Überall in Lateinamerika ist das "Kavaliersdelikt" üblich, bürokratische Abläufe mit Hilfe von ein paar Banknoten zu beschleunigen. Der wachsende Einfluss des organisierten Verbrechens, u. a. die zunehmende Beteiligung der Polizei an Waffen- und Drogengeschäften, repräsentiert eine neue Dimension des maroden Staates.

Für die seit gut 20 Jahren existierenden parlamentarischen Demokratien Lateinamerikas stellen diese Tendenzen eine wachsende Herausforderung dar. In Ländern wie Mexiko, Kolumbien oder Guatemala gefährden sie schon heute ernsthaft das politische System. Hinzu kommt die enorme soziale Ungleichheit, die in keiner anderen Weltregion so extrem ist wie in Lateinamerika. Auch wenn die heutigen Demokratien auf dem Kontinent die grundlegenden politischen Rechte weitgehend garantieren, wurde die Hoffnung auf mehr soziale Gerechtigkeit, die mit den ersten Wahlen nach der Befreiung von Militärdiktaturen vor gut 20 Jahren einherging, kaum eingelöst. Die Zahl der Menschen ohne Teilhabe am politischen System ist auch heute noch gravierend. Gleichzeitig sind es nicht Recht und Gesetz, sondern tradierte klientelistische Strukturen, die nach wie vor einen großen Teil der sozialen Sicherungssysteme ausmachen.

Unterschiedliche Facetten von Gewalt und Alltag in Lateinamerika werden zunehmend auch von regionalen Künstlern und Filmemachern aufgegriffen. Die Filmtage präsentieren eine Auswahl von Dokumentar- und Spielfilmen, die sich u. a. mit Korruption, Polizeigewalt oder den Folgen sozialer Ungerechtigkeit auseinandersetzen. Begleitet werden die Filmvorführungen von Debatten mit den brasilianischen und mexikanischen Filmemachern.
   
 

Programm 

  Mittwoch, 11. März – Heinrich-Böll-Stiftung
19:30 Podiumsdiskussion
Blende auf für Unbequemes
Alejandra Sánchez, Mexiko (Bajo Juárez)
José Antonio Cordero, Mexiko (Bajo Juárez)
Moderation: Annette v. Schönfeld, Lateinamerika-Referentin der Heinrich-Böll-Stiftung

Donnerstag 12.3.09 – Babylon
18.00 Atos dos Homens, Brasilien/Deutschland 2006, 78 Min., OmU
20.00 La Zona, Mexiko/Spanien 2007, 97 Min., OmU
22.00 Memorias del Saqueo, Argentinien 2004, 118 Min., OmU

Freitag 13.3.09 – Babylon
18.00 El Bonaerense, Argentinien/Chile 2002, 92 Min., OmeUT
20.00 Bajo Juárez, Mexiko 2007, 96 Min., OmeUT
22.00 La Zona, Mexiko/Spanien 2007, 97 Min., OmU

Samstag 14.3.09 – Babylon
18.00 Memorias del Saqueo, Argentinien 2004, 118 Min., OmU
20.15 Atos dos Homens, Brasilien/Deutschland 2006, 78 Min.,OmU
22.00 Ônibus 174, Brasilien 2002, 120 Min., OmeUT

Sonntag 15.3.09 – Babylon
16.00 Bajo Juárez, Mexiko 2007, 96 Min., OmeUT
18.00 Ônibus 174, Brasilien 2002, 120 Min., OmeUT
20.15 El Bonaerense, Argentinien/Chile 2002, 92 Min., OmeUT
   
 

Die Filme 

  EL BONAERENSE, Spielfilm
Regie: Pablo Trapero, Argentinien/Chile 2002
Zapa arbeitet als Schlosser in einem argentinischen Dorf. Sein zwielichtiger Chef überredet ihn zu einem schlecht geplanten Coup, der prompt schiefgeht. Zapa muss in den Slums von Buenos Aires untertauchen und schließt sich, auf den Rat seines Onkels, eines ehemaligen Polizisten, hin, der berüchtigtsten Polizeitruppe Argentiniens an. Zapa wird ein Bonaerense. Er ist plötzlich konfrontiert mit einem Machtgefüge aus Vetternwirtschaft, Ungerechtigkeit und Korruption und lernt viel zu schnell, wie man selbst von den Umständen profitiert.

MEMORIA DEL SAQUEO / CHRONIK EINER PLÜNDERUNG, Dokumentarfilm
Regie: Fernando E. Solanas, Argentinien 2004
Mit MEMORIA DEL SAQUEO hat Fernando Solanas ein Protokoll der zwei Jahrzehnte dauernden sozioökonomischen und politischen Entwicklung verfasst, die zur schwersten Wirtschaftskrise in der Geschichte Argentiniens geführt hat. Solanas thematisiert durch zahlreiche Interviews mit Experten und Menschen auf der Straße Korruption und Verschwendung öffentlicher Gelder. Er beginnt bei den Volksaufständen in Argentinien im Dezember 2001, um auf die Geschichte zurückzublenden, die das reiche Land ruiniert hat.

ATOS DOS HOMENS, Dokumentarfilm
Regie: Kiko Goifman, Brasilien/Deutschland 2006
ATOS DOS HOMENS sollte ursprünglich ein Film über den Alltag von Menschen in Brasilien werden, die ein Massaker überlebt haben. Aber genau einen Monat, bevor das Team mit dem Drehen anfangen wollte, wurden in Baixada Fluminense, in der Nähe von Rio de Janeiro, neunundzwanzig Menschen im größten Massaker der Geschichte Rios von Todesschwadronen getötet. Die inzwischen gefassten Mörder sind Polizisten aus der Gegend, die zu so genannten Vernichtungskommandos gehören und in Erpressungen, Entführungen, Drogenhandel und in Tötungsdelikte verwickelt sind.
Der Film ist in vier Teile gegliedert: Der Alltag in Baixada Fluminense zeigt Aufnahmen von den Bewohnern des Ortes. Das Massaker beschreibt das Gemetzel und die Gefühle, die es auslöste. Todesschwadrone beschäftigt sich mit den Killerkommandos der Gegend und enthält ein Interview mit einem professionellen Mörder. Alltag 2 zeigt die Menschen in Baixada Fluminense und ihre Versuche, das Erlebte zu verarbeiten.

ÔNIBUS 174, Dokumentarfilm
Regie: José Padilha, Brasilien 2002
Am 12. Juni 2000 versammelte der Überfall auf einen Bus der Linie 174 am Botanischen Garten in Rio de Janeiro das ganze Land stundenlang vor den Fernsehapparaten. Sandro do Nascimento, ein bewaffnetes Ex-Straßenkind, weigerte sich, in Verhandlungen mit dem Polizisten zu treten, der den Omnibus aufgehalten hatte. Die Originalaufnahmen während dieser fünf Stunden der Angst geben den Rhythmus des Films vor. Dazu geht der Film dem Leben der Protagonisten dieser Tragödie nach. Vor allem kommen auch die Korruption der Polizei und ihr brutales Verhalten gegenüber den Straßenkindern zur Sprache. Deren Lebensumstände führten schließlich zu dem fatalen Überfall und dem tragischen Ausgang.

LA ZONA, Spielfilm
Regie: Rodrigo Plá, Mexiko/Spanien 2007
LA ZONA ist eine abgeschirmte Wohngegend für Wohlhabende innerhalb eines Meeres der Armut in Mexiko City. Eines Tages reißt eine Plakatwand in einem Sturm ein Loch in die Mauer. Drei junge Diebe aus den Slums ergreifen die Gelegenheit und dringen ein. Eine Frau entdeckt sie und wird umgebracht, doch ihre Haushälterin entkommt und schlägt Alarm. Die Anwohner rotten sich zusammen, um die Eindringlinge zu jagen, und bald sind zwei der Einbrecher und ein Wachmann tot. Da entdeckt der 16-jährige Alejandro Miguel den letzten der Einbrecher, der sich in Todesangst versteckt hat, und beschließt, dem gejagten Verbrecher zu helfen…

BAJO JUÁREZ: LA CIUDAD DEVORANDO A SUS HIJAS, Dokumentarfilm
Regie: Alejandra Sánchez & José Antonio Cordero, Mexiko 2007
Ciudad Juárez: Auf der Suche nach Arbeit in der boomenden Maquiladora-Industrie strömen junge Mexikanerinnen aus dem armen Süden in die Stadt an der Grenze zu den USA. Seit 1993 wurden hier Hunderte Frauen Opfer organisierter Vergewaltigungen und Morde. Was bleibt ist ein Meer aus rosafarbenen Holzkreuzen mit den Namen der Ermordeten an den Stätten der Verbrechen. Alejandra war eine von ihnen. Stellvertretend für die vielen anderen Frauen wird ihre Geschichte erzählt. Ihre Mutter kämpft mit anderen Angehörigen um Öffentlichkeit und Aufklärung. Polizei und Justiz lassen Ermittlungen im Sande verlaufen und verschleppen die Anklageerhebung gegen die mutmaßlichen Täter – einflussreiche Politiker und Familienclans…
Alejandra Sánchez & José Antonio Cordero werden anwesend sein.
   
 

Infos:

  Podiumsdiskussion
Mittwoch 11. März 2009, 19.30 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Beletage, Schumannstr. 8, 10117 Berlin
Anmeldung nicht erforderlich, Eintritt frei
Spachen: Spanisch/Deutsch mit Simultanübersetzung

Verkehrsverbindungen:
Bus 147 Deutsches Theater, S-Bahn Friedrichstraße, U-Bahn Oranienburger Tor

Filmtage
Donnerstag, 12. März – Sonntag, 15. März 2009
Babylon, Rosa Luxemburg Straße 30, 10178 Berlin
Sprachen: Filme im Original mit deutschen oder englischen Untertiteln

Verkehrsverbindungen:
U-Bahn U2, Rosa Luxemburg Platz

Eintritt:
6,50 -€ / erm. Freundeskreis 3,-€
Karten an der Kinokasse
Vorbestellungen unter 030-242 59 69 oder www.babylonberlin.de  

Informationen:
Annette v. Schönfeld, vonschoenfeld@boell.de, T (030) 28534-325
Icíar Oquiñena, oquinena@boell.de, T (030) 28534-326

Diese Veranstaltung wurde gefördert mit Mitteln der Europäischen Union
Die Verantwortung der hier vertretenen Standpunkte liegt ausschließlich bei den Veranstaltern