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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 7,00 Euro Kino 2/3  
  Jeden Tag 4,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder
  Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
  Kino Karten/Kasse/Informationen: Fon: +49 - (0)30 - 24 25 969 (ab 17.00 Uhr)
 
 
 

 

  Di, 7.06. - Sa, 18.06.2016
  Jüdisches FilmFestival 2016
  Programm
 

Das Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg versteht sich seit mehr als zwei Jahrzehnten als Forum für den jüdischen und israelischen Film in Deutschland. Es ist damit der älteste und wichtigste kulturelle Event seiner Art und wesentlicher Teil des vielfältigen jüdischen Lebens in Berlin.

Sein Schwerpunkt ist die filmische Auseinandersetzung mit allen Facetten des jüdischen Lebens und dessen ständigen Wandels, in Deutschland, Israel, Europa und dem Rest der Welt. Im Fokus steht dabei die gesamte Bandbreite des aktuellen filmischen Schaffens – vom anspruchsvollen Independent- und Arthousekino über Dokumentarfilme bis hin zum Essayistischen und Experimentellen. Unser besonderer Augenmerk liegt dabei auch auf der Entdeckung und Förderung junger Filmemacher in Deutschland und Israel. In der Reihe israelischer Filme bringen wir Geschichten von Menschen und ihrem Alltag jenseits der Nachrichtenbilder und Medienklischees: differenzierte Blicke auf ein Land, die ebenso vielfältig und widersprüchlich sind wie Israel selbst.

Bei der Filmauswahl können wir uns nicht nur auf den engen Austausch mit den Festivals in Israel und den USA verlassen, sondern auch auf den direkten, oft seit Jahren bestehenden Kontakt mit den Filmemachern, was für ein gleichbleibend hohes Niveau des Programms bürgt.

Kurzum, das JFBB zeigt Filme für Kopf, Herz und Magen: bewegend und komisch, kurz und lang, an- und aufregend, unterhaltsam und unbequem, persönlich und politisch. Überzeugen Sie sich selbst!     www.jfbb.de/

   
  Programm
 

DI 07.06. 19:30 und DI 14.06.2016 19:30

 

GLORIES OF TANGO aka. FERMÍN GLORIAS DEL TANGO  Spielfilm, Europapremiere, R: Hernán Findling/Oliver Kolker, mit Héctor Alterio, Gastón Pauls, Antonella Costa, Esteban Bortnik, Carlos Copello, AR 2015, 117 min, span. mit engl. UT

Wer ist dieser verschrobene Patient, der schon seit vielen Jahren in der herunter-gekommenen Klinik in Buenos Aires untergebracht ist und wegen Depression und posttraumatischen Störungen behandelt wird? Als der junge Psychiater Ezequiel (Gastón Pauls) sich des Falls annimmt, fasziniert ihn am 85-jährigen Fermín Tundera (Héctor Alterio) vor allem seine Sprache: sie besteht ausschließlich aus Texten alter Tangolieder. Langsam öffnet sich Ezequiel eine längst vergessene Welt voller Lebensfreude und Energie, Liebe und Tanz, aber auch Tod und Verrat. Und wie sich der alte Fermín an seine Vergangenheit im pulsierenden Buenos Aires der Vierziger Jahre und längst verdrängte Geheimnisse aus der Militärdiktatur in den Siebzigern erinnert, lernt Ezequiel durch ihn, sich auf das Leben heute mit all seinen Unwägbarkeiten einzulassen. Das liegt nicht zuletzt an Fermíns temperamentvoller Enkelin Eva (Antonella Costa), eine ausgezeichnete Tangolehrerin, die ihm beibringt, Tango nicht als bloßen Tanz, sondern als Blick auf die Welt und Art zu leben zu begreifen. Ein Fest für Augen und Ohren, das die Erzählkunst des magischen Realismus feiert. Komisch, tragisch und sehr, sehr leidenschaftlich!

 

Hernán Findling ist ein argentinischer Regisseur und Produzent. Zu seinen Filmen zählen „Director’s Cut“ (2006) und „Breaking Nikki“ (2009).

Oliver Kolker ist ein in New York geborener und in Argentinien aufgewachsener Schauspieler, Regisseur und Tangotänzer. Er spielte Rollen in Filmen wie „Vergeltung der Verdammten“ (2007) und Hernán Findlings „Breaking Nikki“ (2009). „Glories of Tango“, den er geschrieben und zusammen mit Hernán Findling inszeniert hat, ist sein Regiedebüt.

Festivals: Phoenix Film Festival (Regiepreis), Miami International Film Festival, Singapore International Film Festival

   
 

MI 08.06.2016 19:30

 

COLLIDING DREAMS aka. THE ZIONIST IDEA, Dokumentarfilm, Deutschlandpremiere, R: Joseph Dorman/Oren Rudavsky, USA/IL/PS 2015, 134 min, engl./hebr./arab. mit engl. UT

Was sind die Wurzeln des Konflikts zwischen Israel und Palästina? Die US-amerikanischen Regisseure Joseph Dorman und Oren Rudavsky, beide selbst Juden und moderate Anhänger des säkularen Zionismus, blättern in ihrem ersten gemeinsamen Dokumentarfilm klug, fundiert und ausgewogen die Chronik des Zionismus auf, angefangen beim Idealismus der frühen Jahre, dem aus dem Geist der Aufklärung entstandenen Traum von einem eigenen jüdischen Staat und den ersten Einwanderungswellen nach den Pogromen 1881 und der gescheiterten russischen Revolution 1915. Der Film beleuchtet den Einfluss der Briten und die Folgen des Sechstagekriegs 1967, als der vormals säkulare Zionismus eine religiöse Komponente erhielt. Die sozialistisch geprägte Kibbuzbewegung wird ebenso erläutert wie die orthodoxen Siedler im Westjordanland und das Scheitern der Friedensverhandlungen von Oslo nach dem Attentat auf Ministerpräsident Rabin 1995.
Dorman und Rudavsky brauchen dazu keine bunten Grafiken oder nachgestellte Szenen, sondern verlassen sich ganz auf das exzellent recherchierte Archivmaterial und die sorgfältig ausgewählten Interviewpartner jeder Couleur, die allesamt vor Ort leben und sehr reflektiert über die politische Situation sprechen. Darunter finden sich nicht nur israelische Historiker und Schriftsteller, sondern auch religiöse Führer, PLO-Politiker und reguläre Bürger auf der Straße. Die Filmemacher verweigern klugerweise einfache Lösungsansätze für den Friedensprozess in dieser komplexen Konfliktsituation. Der Ansatz ihres Films spricht für sich: einander zuhören und versuchen zu verstehen.


Joseph Dorman (*1958) ist ein US-amerikanischer Dokumentarfilmer, Drehbuchautor und Produzent. Zu seinen Regiearbeiten zählen „Arguing the World“ (1998) und „Sholem Aleichem: Laughing in the Darkness“ (2011), die er auch geschrieben und produziert hat.
Oren Rudavsky (*1957) ist ein US-amerikanischer Dokumentarfilmer, Spielfilmregisseur und Kameramann. Zu seinen Werken, die sich oft mit religiösen Themen auseinandersetzen, zählen die Dokumentarfilme „Saying Kaddish“ (1991), „A Life Apart: Hasidism in America“ (1997) und „Hiding and Seeking: Faith and Tolerance After the Holocaust“ (2004) sowie der Spielfilm „The Treatment“.
„Colliding Dreams“ ist ihr erstes gemeinsames Projekt.

Festivals (Auswahl): Other Israel Film Festival New York, San Francisco Jewish Film Festival

   
 

DO 9.6.2016 19:30

 

NATASHA, Spielfilm, Europapremiere, R: David Bezmozgis, CA 2015, 93 min, engl./russ. mit engl. UT, mit Alex Ozerov, Deanna Dezmari, Genadijs Dolganovs

Der Sommer zwischen langweiligem Ferienjob im Callcenter einer Telemarketingfirma und kleinen Kurierdiensten für den Marihuanadealer wird für den 16-jährigen Mark plötzlich viel aufregender, als in seinem kanadischen Vorort entfernte Verwandtschaft aus Russland auftaucht. Anfangs soll der Nachwuchsphilosoph nur Natasha, der 14-jährigen Stieftochter seines Onkels, beim Eingewöhnen helfen, doch schon bald kommen sich die beiden Jugendlichen näher als erlaubt ist. Die hübsche Cousine erweist sich als ebenso verführerische wie gefährliche Lolita mit dunkler Vergangenheit, die Mark den Kopf verdreht und ihr ganzes Umfeld ins Chaos stürzt. Der zweite Spielfilm des im lettischen Riga geborenen David Bezmozgis basiert auf seiner gleichnamigen preisgekrönten Short Story aus dem Jahr 2004. Das fesselnde Jugenddrama einer verbotenen Liebe mit Anleihen bei Henrik Ibsen ist ein modernes Update russischer Tragödien und bietet zugleich einen faszinierenden Einblick in den Alltag russisch-jüdischer Gemeinden im heutigen Kanada, wo Einwanderer verschiedener Generationen aufeinandertreffen.


David Bezmozgis ist ein 1972 in Lettland geborener und in Kanada aufgewachsener Schriftsteller und Filmemacher. Er hat zahlreiche Kurzgeschichten und bislang zwei Romane veröffentlicht. Sein Debütfilm „Victoria Day“ (2009) feierte auf dem Sundance Filmfestival Weltpremiere.

Festivals (Auswahl): New York Jewish Film Festival, Toronto Jewish Film Festival

   
 

FR 10.6. 19:30  

  In Gedenken an Ronit Elkabetz – A Stranger in Paris , Dokumentarfilm, Deutschlandpremiere, R: Nir Bergman, IL 2013, 54 min, hebr. mit engl. UT 

Ergreifendes Porträt der viel zu früh verstorbenen Ronit Elkabetz.

Mit 51 Jahren starb die vielfach preisgekrönte israelische Schauspielerin und Regisseurin Ronit Elkabetz im April 2016 überraschend an Krebs. Ihr erfolgreichster Film war „Get – Der Prozess der Viviane Amsalem“ (2014), in dem sie eine orthodoxe jüdische Frau verkörpert, die darum kämpft, sich vor einem religiösen Gericht von ihrem Ehemann scheiden lassen zu können. Für den mit mehreren internationalen Filmpreisen ausgezeichneten Film schrieb Elkabetz auch das Drehbuch und führte zusammen mit ihrem Bruder Shlomi Regie. „Get“ erlangte weltweit Aufmerksamkeit und brachte dem Ausnahmetalent Elkabetz sogar eine Golden Globe Nominierung ein.

Die Nachricht ihres plötzlichen Todes schockierte nicht nur die israelische Filmindustrie, sondern schlug in der gesamten israelischen Gesellschaft Wellen. Ihr Regiekollege Amos Gitai sagte über Elkabetz: „Kein Wunder, dass sie die ganze Welt in ihren Bann zog. Sie
wurde von allen geliebt... sie war einfach spektakulär.“ Und der ehemalige israelische Präsident Schimon Peres bezeichnete Elkabetz als „außergewöhnliche kulturelle Botschafterin für den Staat Israel“, die „die Bürger von Israel und den Staat Israel auf den vielen Bühnen der Welt mit großem Stolz, Kreativität und Schönheit vertrat.“ © Guardian, © Guardian, 19. April 2016
 

   
 

FR 10.6.2016 21:00  

  In Gedenken an Ronit Elkabetz – Get - Der Prozess der Viviane Amsalem , Spielfilm, R: Ronit und Shlomi Elkabetz, IL/F/D 2014, 115 min, hebr. mit dt. UT

Fünf Jahre lang kämpft Viviane Amsalem für die Scheidung von ihrem Ehemann. Zuständig dafür ist in Israel das jüdisch-orthodoxe Rabbinatsgericht, das nach einer Prüfung den Ehemann Elisha dazu anhalten könnte, der Frau einen Get, einen Scheidungsbrief, zu überreichen. Doch Elisha weigert sich, obwohl seine Frau schon seit Jahren von ihm getrennt lebt. Zeugen werden aufgerufen, der Prozess nimmt kein Ende, während Viviane verzweifelt um ihre Würde und ihre Freiheit kämpft.

In Israel wird das Familienrecht, insbesondere das Eherecht, durch religiöses Recht geprägt. Viviane Amsalems Verhandlung steht metaphorisch für das moderne und orthodoxe Israel. Es ist eine universelle Geschichte über die Rollen von Frau und Mann im Spannungsfeld von fundamentalistischen und säkularen Weltanschauungen. Die grotesken Situationen vor dem Gericht sind kafkaesk und in ihrer Absurdität teilweise sehr komisch.

Die israelische Starschauspielerin Ronit Elkabetz schrieb und inszenierte „Get - Der Prozess der Viviane Amsalem“ gemeinsam mit ihrem Bruder Shlomi Elkabetz und ist selbst in der Hauptrolle zu sehen. Beim Film Festival Jerusalem 2014 erhielt der Film sowohl den Haggiag Award für den besten israelischen Spielfilm, als auch den Zuschauerpreis. Menashe Noy wurde mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet.

Ronit Elkabetz war eine bekannte israelische Schauspielerin und Regisseurin. Sie erhielt drei Ophir Awards und war sieben Mal für die begehrte Trophäe nominiert. Elkabetz erlangte auch außerhalb Israels Bekanntheit und spielte immer wieder in französischen und anderen internationalen Produktionen. Im April 2016 verstarb die 51-Jährige überraschend an Krebs. Ihr Bruder Shlomi Elkabetz arbeitet als Regisseur und Drehbuchautor. Die beiden verwirklichten zahlreiche Projekte gemeinsam.
 

   
 

SA 11.6. 22:00

  JeruZalem, Horrorfilm, R: Doron Paz/Yoav Paz, IL 2015, 94 min, engl./hebr. mit Deutschen UT, mit Tom Graziani, Yael Grobglas, Yon Tumarkin

Unser Mitternachtsfilm ist nichts für schwache Nerven! Doron und Yoav Paz, die sich The Paz Brothers nennen, liefern einen innovativen Found-Footage-Horrorfilm, der den Talmud wortwörtlich nimmt: „Es gibt drei Tore zur Hölle. Eins in der Wüste, eins im Meer. Und eins in Jerusalem.“ Auf ihrem Flug nach Israel lernen zwei junge Amerikanerinnen einen mysteriösen Studenten kennen, mit dem sie bald darauf Jerusalem erkunden und die Nächte durchfeiern. Doch schnell wird ihr Traumurlaub zum Alptraum, als unerklärliche Dinge geschehen, bis sich der Schlund zur Hölle öffnet und blutrünstige Dämonen Jagd auf Menschen machen. Um das Schlimmste zu verhindern, riegelt das Militär die Heilige Stadt ab und überlässt Sarah, Rachel und Kevin ihrem Schicksal. Ein Schocker voller übernatürlicher Kreaturen und visueller Einfälle, bei dem Jerusalem mit seinen verwinkelten Altstadtgassen und den religiösen und politischen Spannungen als großartige Kulisse für die drohende Apokalypse dient. Und die Zuschauer sind hautnah dabei, denn der Film ist komplett aus der Sicht Rachels und ihrer Google-Brille erzählt. Ein Fest für Horrorfans und alle, die neugierig genug sind, sich zu trauen!


Doron Paz & Yoav Paz sind israelische Filmemacher, die als The Paz Brothers gemeinsam Regie führen. Neben ihrem Langfilmdebüt „Phobidilia“ (2009) realisierten sie auch Episoden erfolgreicher TV-Serien wie „Asfur“ und „Metim LeRega“. Bei „JeruZalem“ waren sie außerdem für Drehbuch, Schnitt und Produktion verantwortlich. Derzeit bereiten die Brüder ihren dritten Spielfilm „Plan A“ vor.

 

Festivals (Auswahl): Jerusalem Film Festival (Publikumspreis/Bester Schnitt)

   
 

SO 12.6. 18:00

  ATOMIC FALAFEL aka. FALAFEL ATOMI, Spielfilm, Berlinpremiere, R: Dror Shaul, IL/NZ 100 min, hebr./engl./farsi mit deutsch. UT, mit Michelle Treves, Mali Levi, Shai Avivi, Alexander Fehling

Die alleinerziehende Mimi (Mali Levi) und ihre 15-jährige Tochter Nofar (Michelle Treves) leben mitten in der Wüste Negev, wo sie einen Falafel-Truck betreiben. Ihre treusten Gäste sind die Soldaten der nahen Militärstation, zu der auch ein Atomreaktor gehört. Doch was die beiden nicht ahnen: Nur ein paar Meter unter ihnen befindet sich eine geheime Kommandozentrale der israelischen Armee. Und dort planen einige ranghohe Militärs gerade den atomaren Angriff auf den Iran, um so dem Angriff der Gegenseite zuvorzukommen. Als die internationale Atomenergie-Organisation ein Kontrollteam schickt, verliebt sich Mimi in den deutschen Atominspekteur Oli (Alexander Fehling), auch wenn ihn ihre extrascharfe Sauce erst mal umhaut. Während die Liaison prompt zum nationalen Risiko erklärt wird, freundet sich ihre Tochter Nofar im Internet mit einem iranischen Mädchen an. Mithilfe von Nofars Hackerfreund verbreiten die drei bald die geheimen Angriffspläne online, um so den drohenden Atomkrieg zwischen ihren Ländern zu verhindern.... Die turbulente Militärsatire ist so etwas wie die israelische Variante von „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“, ein rasend komisches Pulverfass voller Dialogwitz und Situationskomik, das den Irrsinn des Konflikts mit Seitenhieben in alle Richtungen gekonnt auf die Spitze treibt.


Dror Shaul (*1971) ist ein israelischer Filmemacher und Drehbuchautor. Seine Kindheitserinnerungen im Kibbuz Kissufim verarbeitete er in seinem semiautobiographischen Spielfilm „Sweet Mud – Im Himmel gefangen“ (2006), für den er den Gläsernen Bären der Berlinale, den Großen Preis der Jury beim Sundance Filmfestival und den Preis als bester Film der Israeli Film Academy erhielt. Zu seinen weiteren Filmen zählen „Operation Grandma“ (1999) und „Sima The Witch“ (2003).

Festivals: Ophir Awards, Atlanta Jewish Film Festival, Palm Springs International Film Festival

   
 

MO 13.6 19:30

  WEDDING DOLL aka. CHATONA MENIYAR, Spielfilm, Deutschlandpremiere, R: Nitzan Gilady, IL 2015, 82 min, hebr./engl. mit engl. UT, mit Asi Levi, Moran Rosenblatt, Roy Assaf, Arie Techerner

Die hübsche, lebensfrohe Hagit (Moran Rosenblatt) lebt zusammen mit ihrer Mutter Sara (Asi Levi) in einer kleinen Stadt irgendwo in der Wüste Negev. Wegen ihrer leichten geistigen Behinderung muss sich die junge Frau tagtäglich Gemeinheiten ihrer Mitmenschen gefallen lassen. Doch Hagit versucht mit großer Willensstärke und trotz einer überfürsorglichen Mutter, die ihr kaum Selbstständigkeit einräumt, ihr Leben in der Provinz zu meistern. Und sie hat große Träume – eines Tages eine Moderdesignerin sein... und heiraten. Tatsächlich ist Hagit ganz besessen vom Heiraten, am liebsten designt sie Hochzeitskleider. Und es gibt auch schon einen Kandidaten dafür: Omri (Roy Assaf), der Sohn von Hagits Boss, in dessen Fabrik sie arbeitet. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebe, die nur allzu bald gegen große Widerstände bestehen muss. Hagits Mutter stellt sich der Sache in den Weg. Und auch Omri schreckt davor zurück, ihre Beziehung publik zu machen – aus Angst vor den Reaktionen seines Umfelds.
„Wedding Doll“ war sehr erfolgreich bei den letztjährigen Ophir Awards und anderen renommierten Filmfestivals und erlangte dadurch auch internationale Aufmerksamkeit. Im April 2016 lief der Film in den amerikanischen Kinos an.

Nitzan Gilady ist ein israelischer Dokumentarfilmer. In seinen Filmen (z.B. „Jerusalem Is Proud To Present“, 2008 und „In Satmar Custody“, 2003) setzt er sich immer wieder kritisch mit der israelischen Gesellschaft auseinander. „Wedding Doll“ ist sein erster Spielfilm.

  

Festivals: Ophir Awards (Ophir), Jerusalem Film Festival (FIPRESCI Award, Haggiag Award, Pirchi Family Award), London Film Festival

   
 

DI 14.6 19:00

  FROM THE BLACK YOU MAKE COLOR, Dokumentarfilm, Deutschlandpremiere, R: Judy Maltz/Richie Sherman, USA/IL 2012, 75 min, hebr./engl. mit engl. UT

Die Diana Academy in Tel Aviv ist die älteste Schönheitsschule in Israel. Die meisten der Auszubildenden hier kommen vom Rand der Gesellschaft: Einwanderer, sozial Schwache, Frauen auf der Suche nach einer zweiten Chance. Der Dokumentarfilm begleitet ein Jahr lang acht dieser Frauen aus ganz unterschiedlichen Ländern und porträtiert voller Zuneigung ihre Lebenswege. Die 30-jährige Debby aus Nigeria etwa, die ihre kleine Tochter zurücklassen musste oder die alleinerziehende Witwe Rachel, die ihren Mann beim Selbstmordattentat im Hafen von Ashdod verlor oder Irena aus Russland, die jeden Tag eine andere Wohnung putzt, um sich die Schule leisten zu können. So entsteht das Bild eines Mikrokosmos, eines familiären Verbands von Außenseiterinnen, von denen jede ihr Päckchen zu tragen hat. Und sie alle lernen durch Eva, die mütterliche Schulleiterin, nicht nur die Kunst des Haareschneidens, sondern auch des Zuhörens und der Empathie. Sie gehen abends mit einem guten Gefühl nach Hause, weil sie ihren Kundinnen etwas gegeben und für sich selbst neuen Sinn im Leben gefunden haben. Nicht in Depressionen versinken, sondern das Positive suchen. Aus Schwarz lässt sich Farbe machen, wie Rachel sagt. Und zwar jede, die man haben will.


Judy Maltz ist eine US-amerikanische Filmemacherin, Dozentin und Journalistin. Richie Sherman ist ein US-amerikanischer Regisseur, Kameramann und Produzent. „From The Black You Make Color“ ist ihr zweiter gemeinsamer Dokumentarfilm nach dem preisgekrönten „No. 4 Street Of Our Lady“ (2009).


Festivals (Auswahl): Washington Jewish Film Festival, Athens International Film Festival, Other Israel Film Festival New York, Rehovot International Women’s Festival (Publikumspreis)

   
 

MI 15.6 19:30

  TRANSPARENT, Amazon Originalserie (Folgen 1, 8 und 9 aus der 2. Staffel der gefeierten Dramedyserie), R: Jill Soloway u. a., USA 2014/2015, 3 x 30 min, mit Jeffrey Tambor, Amy Landecker, Jay Duplass, Gaby Hoffmann, Judith Light, OV: Engl.

Gast: Ralf Dose, Mitgründer Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e. V., Einführung Frank Stern

Was passiert mit einer jüdischen Familie in Los Angeles, wenn sich der Vater (Jeffrey Tambor) mit 68 Jahren plötzlich als transsexuell outet?
Mauras erwachsenen Kinder reagieren erst einmal alles andere als gelassen auf die Neuigkeit. Was vermutlich daran liegt, dass sie selbst, jeder auf seine Weise, von Identitätskrisen gebeutelt sind. Ali (Gaby Hoffman) springt wahllos von einem Projekt zum nächsten, ohne sich je sicher zu sein, ob das neue nun auch das richtige ist. Josh (Jay Duplass) ist ein erfolgreicher, aber zielloser Musikproduzent, der seine Tage mit gefühllosem Sex und uninspirierter Musik verbringt. Und Sarah (Amy Landecker) will der klaustrophobischen Enge ihrer Ehe entfliehen und stürzt sich Hals über Kopf in eine Affäre mit ihrer ehemaligen Kommilitonin. In all dem Chaos versucht Maura, ihr neues Leben als Frau zu meistern.
Die gefeierte Dramedyserie aus den USA wurde in den letzten Jahren nicht umsonst mit fast jedem wichtigen Preis der Branche ausgezeichnet. Feinfühlig inszeniert und zugleich umwerfend komisch erzählt „Transparent“ von einer dysfunktionalen Familie auf der Suche nach Identität – und nach Liebe.

Jill Soloway ist eine amerikanische Regisseurin, Komikerin, TV-Autorin und Feministin. Für ihren Film “Afternoon Delight” (2013) wurde sie als beste Regisseurin auf dem Sundance Film Festival ausgezeichnet. Bekannt ist sie unter anderem für ihre Arbeit an der preisgekrönten Serie “Six Feet Under” (2002 – 2005). “Transparent” zählt zu den beliebtesten Streaming Serien aller Zeiten.
Jeffrey Tambor ist ein amerikanischer Schauspieler und Synchronsprecher. Er ist bekannt aus zahlreichen Hollywood- und TV-Produktionen wie “City Slickers” (1991), “There’s Something About Mary” (1998) und “Arrested Development” (2003-2006). Für seine Rolle in “Transparent” wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 

 

Festivals: Golden Globes (mehrere Golden Globes), Primetime Emmy Awards (mehrere Primetime Emmys), BAFTA Awards, People’s Choice Award (Beste Streaming-Serie), Directors Guild of America (DGA Award), Writers Guild of America (Beste Comedy-Serie), Screen Actors Guild Awards (Jeffrey Tambor als Bester Schauspieler), u.a.

   
 

SA 18.6 19:00

  90 MINUTEN – BEI ABPFIFF FRIEDEN aka. MILHEMET 90 HADAKOT Spielfilm, Weltpremiere 4. Juni, R: Eyal Halfon, IL/PT/D 2015, 83 min, engl./hebr./arab./port. mit dt. UT |, mit Norman Issa, Moshe Ivgy, Detlev Buck

Hundert Jahre schon brodelt der israelisch-palästinensische Konflikt. Hundert Jahre voller Kriege, Blutvergießen und gescheiterter Friedensverhandlungen. Doch damit ist jetzt Schluss! Ein Fußballmatch zwischen der israelischen Nationalmannschaft und dem palästinensischen Team soll endlich Frieden in die Region bringen. Der Gewinner kriegt das Land, der Verlierer muss gehen – ein für alle Mal. Als Austragungsort wird ein Stadion in Portugal ausgewählt, für die Schlacht auf neutralem Boden fallen England und Deutschland aus historischen Gründen aus. Und während die Mannschaften politisch auf Linie gebracht werden und die gegnerischen Fußballfunktionäre (Moshe Ivgy, Norman Issa) über objektive Schiedsrichter (keine Schweden!) verhandeln, formiert sich auf den Straßen Protest gegen das Spiel und heizen die Medien die Stimmung vor dem alles entscheidenden Großereignis weiter auf. Als Trainer des israelischen Teams ist der Deutsche Jan Müller (Detlev Buck) ebenso überfordert wie der Stadionchef in Portugal. Die Situation eskaliert, als ein arabisch-israelischer Spieler sich entscheiden muss, auf welcher Seite er steht...
Die treffsichere Politsatire über den scheinbar unlösbaren Konflikt ist wie ein Dokumentarfilm inszeniert. Vor der Kamera des fiktiven Filmteams wird der Schlamassel aufgefächert, bei dem jeder sein Fett wegbekommt: streitsüchtige Israelis und Palästinenser ebenso wie ahnungslose Westeuropäer und der internationale Fußballverband. Rasend komisch und nur ganz leicht bis zur Kenntlichkeit überzogen zeigt dieser irrwitzige Eröffnungsfilm mit seinen grandiosen Einfällen aufs Beste wofür auch unser Filmfestival steht: Humor ist einfach die beste Waffe!

Eyal Halfon (*1958) ist ein israelischer Filmemacher und Drehbuchautor. Zu seinen Werken als Regisseur zählen die Spielfilme „The Italians Are Coming“ (1996 / JFBB 1998), der mit fünf Israeli Academy Awards ausgezeichnete „Zirkus Palästina“ (1998) und „Willkommen in Israel“ (2005 / JFBB 2007).

 

Auszeichnungen: Ophir Awards, Bester Nebendarsteller für Norman Issa