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Programm akt. Woche

  Kino Eintrittspreis:      
  Mo - So 9,00 Euro Kino 1                
  Mo - So 7,00 Euro Kino 2/3  
  Jeden Tag 4,00 Euro für Freundeskreis-Mitglieder  more
  Ab 130 Minuten Filmlänge plus Euro -,50
  Ab 150 Minuten Filmlänge plus Euro 1,-
  Bei Sonderveranstaltungen gesonderte Preise (laut Aushang)
  Kino Karten/Kasse/Informationen: Fon: +49 - (0)30 - 24 25 969 (ab 17.00 Uhr)
 
 
   
 

DAS KINO VON PETER FLEISCHMANN

 

03.-08.10.2017

 

Übersicht:

  Di, 03.10.2017 20:00  Deutschland, Deutschland  

Do, 05.10.2017 20:30   Das Unheil

(Weitere Termine: 06./07.10.2017 jeweils 21:45)

Fr, 06.10.2017 18:00   Der Dritte Grad

Fr, 06.10.2017 20:00   Jagdszenen aus Niederbayern

Sa, 07.10.2017 18:00   Frevel

Sa, 07.10.2017 20:00   Dorotheas Rache

So, 08.10.2017 17:45   Herbst der Gammler

So, 08.10.2017 19:30   Mein Freund, der Mörder

   
   
  Deutschland, Deutschland
D/F/B 1990, R: Peter Fleischmann, Dokumentarfilm 91 min

Die Aufnahmen entstanden 1990, in den Wochen vor und nach dem Tag der Wiedervereinigung.
„Ich fuhr über die ehemalige Grenze in ein fernes Land, das uns zugefallen war wie eine Beute, fuhr zu den Drehorten meiner früheren Filme, ins bayerische Land, in die Pfalz, nach Hamburg... Ich nahm Stimmungen auf, Schicksale, Ängste und Hoffnungen..., Bruchstücke, die ich zu einem Film zusammenfügte.“ (Peter Fleischmann)
Pressestimmen:
„Ein wohltuend unangestrengtes Bild aus dem Land, das es doppelt gab und das eines noch lange nicht ist. In Leipzig gab‘s dafür eine hochverdiente „Silberne Taube“ und den weitaus größten Publikumsbeifall.“ (Berliner Zeitung)
„In Hof, der ehemaligen deutsch-deutschen Grenzstadt, wo sich in den Kinos der Filmtage allmählich auch das Publikum von diesseits und jenseits vermischt, wo die Hinweisschilder wieder nach Dresden zeigen, wo Busse mit dem Zielort Plauen über den Platz vor dem Kino rollen - in Hof hat kein anderer Film größere Betroffenheit ausgelöst.“ (Frankfurter Rundschau)
« Deutschland, Deutschland » ist keine Reportage. Fleischmann, der Filmregisseur, nährt sich von Begegnungen, von Gesprächen in Tavernen, von Zufällen, um aus lebender Materie das erstaunliche Portrait eines Deutschland in der Umwälzung zu erarbeiten. Keine Spur von Kommentar, sondern lebendige Sprache, die prall hervorsprudelt ... das Deutschland der kleinen Leute, die sich getrauen, in ganz alltäglichen Worten ihre Gefühle auszudrücken. Sie waren artig in Anzüge hinein– gewachsen, die andere für sie geschneidert hatten. Sie fühlen sich noch etwas verloren im neuen supergroßen Anzug, den sie sich selbst verpasst haben, fast ohne es zu wollen.“ (Telerama)
„Sie waren Westdeutsche, sie waren Ostdeutsche, sie sind erwacht als Deutsche und schauen perplex, enttäuscht, glücklich und beunruhigt in den neuen Tag ... schön und ernsthaft, diese Reise von Peter Fleischmann zum Herzen eines ewigen Deutschlands, das auf der Suche nach sich selbst ist, so als wolle es die Schatten einer zu düsteren Vergangenheit austreiben.“ (France Soir)
Deutschland, Deutschland wird erstmals an einem 3. Oktober zu sehen sein. Er sollte 1991 am ersten Jahrestag der Einheit von der ARD ausgestrahlt werden, wurde jedoch wurde jedoch wegen eines aktuelleren Beitrages kurz vorher zurückgestellt und bis heute nicht gesendet. „Wenn man den Film gesehen hat“ schrieb Peter W. Jansen in der Frankfurter Rundschau „kann man sich auch andere Gründe denken, warum von ‚Deutschland Deutschland’ am Tag der Deutschen Einheit nichts zu sehen war“. Der Film lief 1991 mit viel Applaus auf den Hofer Filmtagen und erhielt auf dem Dokumentarfilmfestival in Leipzig die Silberne Taube.


Das Unheil
BRD/F 1971, restaurierte Fassung 2017, 104 min
Regie: Peter Fleischmann, Drehbuch: Peter Fleischmann, Martin Walser Kamera: Dib Lutfi
mit Vitus Zeplichal, Reinhard Kolldehoff, Ingmar Zeisberg, Helga Riedel-Hassenstein

Unterdrücktes Meisterwerk wird endlich rehabilitiert
DAS UNHEIL schien wie aus der Filmgeschichte gefallen, in die es aber dringend hineingehört, denn einen derart eigenwilligen, innovativen und seine Zeit scharfsinnig aufspießenden Film bringt das deutsche Kino nur alle Jubeljahre hervor.
Damit ein solcher Film jahrzehntelang dem Vergessen anheimfällt, muss ihm heftiges Unheil widerfahren sein. Das Verhängnis nahm schon bei der Uraufführung am 23. März 1972 seinen Lauf, als das „Unheil“ gnadenlos ausgebuht und im Folgenden von der Kritik ausnahmslos verrissen wurde. Der „Spiegel“ entdeckte unter der Überschrift „Nur mies“ nur „hämische Klischees“, die WELT witterte „ideologischen Gestank“, und die „Süddeutsche“ erfasste ein „Gefühl der Übelkeit“. Sein amerikanischer Verleih United Artists – es war der erste Versuch von Hollywood, einen deutschen Film zu produzieren – zog ihn erschrocken nach ein paar Tagen aus dem Münchner Premierenkino zurück… Eine solch wütende Einhelligkeit der Ablehnung lässt darauf schließen, dass ein Nerv getroffen worden war. Mehrere Nerven, genauer gesagt, noch besser: sämtliche Nerven der jungen Bundesrepublik… Fleischmann hat sich mit sämtlichen gesellschaftlichen Gruppen angelegt – und es sich mit allen verdorben. Letztlich ist „Das Unheil“ ein Film über eine kollektive gesellschaftliche Überforderung, ein Film über eine Umbruchszeit, von der keiner weiß, wie man sie bewältigen soll und wohin sie führen wird. Mit anderen Worten: nicht viel anders als heute.
Ein jeder hat sich damals karikiert, verzerrt, verhöhnt gefühlt… Man bewundert Fleischmanns und Walsers lakonischen Witz, die halsbrecherischen Fahrten ihres brasilianischen Kameramanns Dib Lutfi und vor allem ihr scheinbar so zufälliges und doch so ausgeklügeltes Konstruktionsprinzip, das seiner Zeit weit voraus war und erst wieder aufgenommen wurde, als die Postmoderne die traditionellen Erzählweisen zerschoss.
Das alles sehen wir im zeitlichen Abstand, und dank des räumlichen Abstands wurde dies damals schon in Cannes gesehen, wohin „Das Unheil“ zwei Monate nach dem Münchner Desaster geladen war und wo der Film den Prix Luis Buñuel gewann, die angemessene Auszeichnung für Deutschlands wohl einzigen Regisseur des Absurden. “ (Hanns Georg Rodek 23.6.2017 in Die Welt)

Obwohl Das Unheil in Cannes im Wettbewerb lief und den Prix Luis Bunuel gewann, wurde er seitdem in keinem deutschen Kino gezeigt.

Martin Walser über Das Unheil:
"Es bricht nicht herein, es schiebt sich heran. Jeder sieht es, aber keiner will es sehen. Ein Junge hat Schwierigkeiten auf der Schule, das ist nicht so schlimm. Sein Vater, ein Pfarrer aus Schlesien, will in seiner Kirche ein Glockenfest machen, aber den Schlesiern dieser Gemeinde ist nicht so recht nach Fest zumute, da sie ihre politischen Hoffnungen immer mehr enttäuscht sehen. Die Schwester des Jungen ist in Rom, im Elternhaus macht man sich immer noch vor, es gehe ihr dort gut. Und so weiter. Das Alltägliche eben. Und doch stellt sich in den alltäglichen Vorgängen immer häufiger ein Misslingen ein. Risse. Und durch diese Risse wird Unheil mehr spürbar als sichtbar. Die Glockenverse der kleinen Schlesierkinder klingen nicht mehr richtig. Das Mittagessen gerät aus seiner traditionellen Fassung. In der ganzen Stadt nimmt eine Stimmung zu, die zumindest nicht Gutes verheißt. Die Stadt ist eine kleine Industriestadt. Der Industrie passiert wieder einmal ein typisches Malheur. Ergebnis: ein großes Fischsterben. Die Schwäne kriegen Geschwüre. Das Grundwasser ist in Gefahr. Die Industrie versucht das Malheur auf die Müllarbeiter abzuwälzen. Die demonstrieren gegen den Betriebsleiter.
Wenn die private und die öffentliche „Komödie“ in einem Augenblick kulminieren, wird klar, dass es nicht das Unheil ist, das sich nähert, sondern dass wir es sind, die sozusagen konsequent auf das Unheil zuleben. Und das Thema, das da durchgeführt wird, könnte heißen: je weniger desto mehr. Je weniger es uns gelingt, so zu leben wie wir sollten oder könnten, desto mehr tun wir so, als lebten wir so wie wir sollten oder
könnten.
Übrigens: Warum ist dieser Film eine Komödie? Weil die Leute darin genau wissen, dass sie auf das Unheil zuleben, aber es trotzdem tun."

Peter Fleischmann zu seinem Film:
"Es liegt in der Natur des Unheils, ständig näher zu kommen ohne uns ganz zu erreichen. Denn sobald es ankommt, wird es zur Katastrophe. Das Unheil ist sozusagen der Herold, der die Katastrophe ankündigt.
Der Film DAS UNHEIL sollte in seinem Aufbau der Musik näher sein als der üblichen – immer stärker genormten – aus dem Theater stammenden Dramaturgie, in der alles auf einen Höhepunkt zustrebt. Der Weg sollte das Ziel sein und das Unheil, das näher rückt, das einzig dramatische Element. In einem polyphonen Musikstück übernimmt nach den Regeln der Barockmusik jede der gleichberechtigten Stimmen abwechselnd die Führung. In unserem Fall sind die Stimmen die verschiedenen audio-visuellen Ausdrucksmöglichkeiten, sodass mal die Kamerabewegung, mal die Musik, mal die Geräusche, mal ein menschliches Stimmengewirr oder der Solo-Auftritt eines Darstellers in den Vordergrund treten.
Das Ganze war ein Versuch, die Wirklichkeit der Bundesrepublik, die uns allzu banal erschien, zu einer Art Hyperrealismus zu komprimieren, in dem mehrere Ereignisse gleichzeitig stattfinden können und Zeitenwechsel auch innerhalb einer Einstellung möglich werden. Ich hatte gehofft,
die Leute würden der Vorführung folgen wie der Musik in einem Konzertsaal, wo das Publikum
auch nicht ständig darauf aus ist, dass sich der Knoten schürzt. Die Ernsthaftigkeit, mit der alle
über den Film hergefallen sind, hat mich verblüfft. Für mich war DAS UNHEIL auch immer ein großes Gelächter.“

Der Dritte Grad
BRD/F/I 1975
R: Peter Fleischmann, mit Michel Piccoli, Mario Adorf, Ugo Tognazzi, 107 min

Ein harmlos erscheinender Bürger gerät in die Hände der Polizei – auf der Fahrt zur Zentrale kommen sich Bewacher und Bewachter näher, zumal auch die Begleiter überwacht werden. Der Jäger wird zum Gejagten, der Gejagte zum Jäger, aber alle sind nur Schachfiguren in einem kaum noch durchschaubaren Spiel, in dem es nur einen Gewinner geben kann: die allgegenwärtige Geheimpolizei.


Pressestimmen
„Ein filmisch bestechender Auftakt und eine wirkungsvolle Einführung ins Geschehen: In einer sommerlich stillen Straße Athens entsteht plötzlich eine beängstigende Unruhe. Vor einem Hauseingang fahren Autos vor, Männer verteilen sich auf der Straße, verschwinden im Haus. Im obersten Stockwerk wird es laut. Ein Mann tritt auf den Balkon, klettert über die Brüstung, stürzt
in die Tiefe. Seine Frau wird zurückgerissen und unten auf der Straße in den startenden Wagen gestoßen. Die Leiche bleibt auf der Straße liegen. Das alles wird - eine kapitale Regieleistung - in einer einzigen Einstellung geschildert. Am Ende zieht sich die Kamera hinter die Schaufensterscheibe des gegenüberliegenden Hauses zurück. Dort ist das Reisebüro, in dem
das heile Griechenland feilgeboten wird. Der Leiter dieses Büros, der die Vorgänge auf der
anderen Straßenseite gar nicht zur Kenntnis nimmt, wird bald schon als politische Gefangener jenem Geheimpolizisten gegenüberstehen, der die Verhaftungsaktion geleitet hat ..." (Süddeutsche Zeitung)
„Er ist ganz einfach ein Meisterwerk geworden, dieser Film, den Peter Fleischmann, unterstützt von Jean-Claude Carrière, aus dem großartigen Roman von Samarakis gemacht hat.“ (Le Canard Enchainé)
„Einen hochintelligenten Film mit Spitzenbesetzung (Michel Piccoli, Ugo Tognazzi und Mario Adorf) hat der international renommierte Regisseur Peter Fleischmann nach dem Roman „Der Fehler“ des griechischen Widerstandskämpfers Antonis Samarakis gedreht. Geschildert wird der leise Terror eines allgegenwärtigen Sicherheitsdienstes, der sowohl Anhänger als auch Gegner des Systems in der Hand hat.“ (Stuttgarter Nachrichten)
„Der Dritte Grad“ ist ein außerordentlich professionell gemachter Politik-Thriller geworden. Zwei Geheimpolizisten (Michel Piccoli, Mario Adorf) begleiten einen Häftling (Ugo Tognazzi) zur Zentrale in die Hauptstadt; unter Einbeziehen der griechischen Landschaft entfaltet Fleischmann eine beklemmende Atmosphäre des Verdachts, der Verdächtigung, der Bedrohung. Souverän läßt er die Frage, wer hier eigentlich wen bespitzelt, in ständig neue Volten münden ...“ (Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt)
„Der Film basiert auf dem mehrfach preisgekrönten Roman 'Der Fehler' von Antonis Samarakis,
der nach der Machtübernahme der Obristen als eines der ersten Bücher verboten wurde. Was
sich damals, zur Zeit einer nur noch nominell existenten Demokratie wie eine prophetische Vorwegnahme diktatorischer Zustände las, hat gerade heute im Zeichen überall blühender Schnüffler-Hysterie nichts an Aktualität eingebü.t. Ohne konkret Griechenland zu nennen erzählt der Film eine Geschichte von fast kafkaesker Dimension ... Die Beklemmung, die der Dritte Grad hinterläßt, wirkt alles andere als exotisch.“ (Der Spiegel)


DOROTHEAS RACHE
BRD/F 1974, R: Peter Fleischmann mit Anna Henkel, Gunter Thiedicke, Regis Genger, 86 min
„Dorothea ist 17 Jahre alt und will alles über die Liebe wissen. Von fetten Sadomasochisten bis zu lesbischen Zärtlichkeiten und vielleicht sogar einem Inzest; sie steigt, eine Alice im Horrorland -, wie auf einer Spirale in die sieben Kreise der Hölle hinab. Fleischmann und sein Co-Autor und Dialogschreiber Jean-Claude Carrière haben diesen Film in zwei Dimensionen gestaltet.
Die erste offensichtliche ist die des polemischen Spotts: Die Rache von Dorothea ist auch die Rache von Fleischmann, der fest entschlossen ist, mit den westdeutschen Pornostreifen abzurechnen.
Die zweite Dimension macht aus diesem Film das bewegendste Werk, das ich seit langem gesehen habe: Die Autoren haben den Mut, gegen das vorherrschende erotische Spießertum zu reagieren, indem sie zeigen, dass alle Sexualität tragischen Ursprungs ist. Die wunderbare Sequenz im Bordell für Masochisten ist eine Rapsodie ebenso erschreckender wie realistischer Bilder – von der Art jenes phantastischen Realismus, der die Wahrheit durchschreitet, um sie auf die Höhe des Symbols zu führen. Man täusche sich nicht: Der Film klingt scheinbar optimistisch aus, indem sich Dorothea und ihre Hippiefreunde zärtlich lieben ... doch wir dürfen nicht vergessen, dass dieselben Hippies eine dreiviertel Stunde vorher zu dem Schluss gekommen sind, dass ein Mann mit dreißig nur noch ein lüsterner Greis ist. Pflückt die Rosen des Lebens ... und wißt, dass sie sehr schnell verwelken, verfaulen und dass ihr, Verdammte, fortfahren wollt, sie zu pflücken. Oft komisch und verschmitzt ist Dorothea deshalb vor allem ein Entsetzensschrei.“
(Jean Louis Bory im Nouvel Observateur nach der Welturaufführung in Paris)
DOROTHEAS RACHE erhielt den "Prix du Groupe Panique"
Die deutsche Presse titelte zum Kinostart in der BRD
„Deutsche zieht sich aus – Franzosen stehen Schlange“ BILDZEITUNG
„Maria Magdalena von St. Pauli“ CHRIST UND WELT
„Ganz Paris träumt von der Anna“. Eine zwanzigjährige deutsche Schauspielerin wird in Paris als größte Entdeckung des Jahres gefeiert“ DER STERN
„Wenn einer Säue vor die Perlen wirft“ DIE ZEIT
„Schüsse unter den Gürtel“ WELT AM SONNTAG
„Fleischmanns Rache an der Kino-Situation“ WAZ
„Jagdszenen aus der Pornoprovinz“ FRANKFURTER NACHTAUSGABE
„Alice im Sexland“ KÖLNER RUNDSCHAU
„Nackt gegen Pornographie“ BAD KREUZNACHER ANZEIGER
„Staatsanwalt fürchtet sich vor Dorotheas Rache“ MÜNCHNER ABENDZEITUNG
DOROTHEAS RACHE erhielt in Paris den Preis der Groupe Panique


Frevel
BRD 1983 R: Peter Fleischmann mit Angelika Stute, Balduin Baas, Isolde Barth, 98 min
Der erfolgreiche und erfahrene Kriminaldirektor Lohmann hat die höchste Aufklärungsquote in ganz Deutschland. Eigentlich sollte er mit seiner Familie in den Sommerurlaub reisen, als er aber bei einem Verhör auf die junge Frau im roten Kleid trifft, die ihren eigenen Sohn umgebracht haben soll, verändert sich etwas in ihm. Fasziniert von dem so vermeintlich klaren Fall und ihrem Schweigen, lässt er seine Frau und seine Tochter alleine abreisen und fängt an zu recherchieren. Er versucht die Hintergründe der Tat zu erfassen, ihr Schweigen zu brechen, sie zu „retten“. Dabei gerät er immer weiter in ihren Bann. Der klassische Kriminalfilm von dem Fall einer Mörderin wandelt sich schleichend zu einem Drama über einen Mann, der die Chance sieht auszubrechen und dabei alles aufs Spiel setzt.
Auszeichnungen: Großer Preis des Internationalen Filmfestivals Catania


Pressestimmen
„Endlich läßt ein deutscher Regisseur wieder Bilder sprechen und widersteht jeder Versuchung zur Produktion von Tiefsinn und eiligen Lösungen“. (Harald Martenstein, Stuttgarter Zeitung)
„Ein ungeheuerlicher Film mit furchtbarer Klarheit. Ein kluger und schöner Film in Zeiten des Bilder- und Wortsalats. Dankeschön, Herr Fleischmann.“ (Renee Zucker, TAZ)
„Krimis können wie Fußball sein. Wer ein richtiger Schlachtenbummler ist, geht auch schlechten Vereinen nicht aus dem Weg: die « Tatort »-Reihe ist so ein Fall für Unverbesserliche. Peter Fleischmanns « Frevel » aber ist der allerschönste « Tatort », der sich jemals denken läßt (und den es nie geben wird). Der Tatort liegt im Wald. Auf einem Stein hat eine junge Frau ihr Kind ermordet. Kriminaldirektor Lohmann (von Peter Fleischmann gespielt) ist dabei, nach Spanien in den Urlaub zu reisen. Da begegnet er der Kindsmörderin: eine schöne, blonde, bleiche junge Frau in einem knallroten Kleid, eine Sagengestalt, verwirrt und vollkommen stumm.“ (ZEIT)
„Subversiver Liebesfilm. Das Psychogramm, das in Frevel entworfen wird, ist von einer Intensität, wie man sie nur im Kino erleben kann. Die Irritation, die Lohmann im Film widerfährt, übertr.gt sich auf den Zuschauer: die Vernunft wird suspendiert, nicht die Aufklärung oder die Motive der frevelhaften Tat sind mehr wichtig, sondern das – seinerseits frevlerische – Einswerden mit ihr.“ (Robert Fischer, Zitty)
„Fleischmanns Thema ist die deutsche Provinz, die Provinz der Gedanken, die Provinz der Gefühle. Die beschreibt er mit scharfem Blick, mit Ironie und Selbstkritik: ein perfekter Anti-„Tatort“, der alle Regeln des Genres lässig auf den Kopf stellt.“ (Stern)


Jagdszenen aus Niederbayern
D 1969, R: Peter Fleischmann mit Martin Sperr, Angela Winkler, Hanna Schygulla, 86 min
Als der 20-jährige Abram nach längerer Abwesenheit in sein Heimatdorf zurückkehrt, stößt er auf ein Klima der Ablehnung, der Angst und des Misstrauens. In der scheinbar idyllischen bayrischen Dorfatmosphäre attackiert jeder den Nächsten: Dem Dorfbeatle werden im Sportcafé bei einem sadistischen Spaß die Haare abgeschnitten, das Dienstmädchen des Bürgermeisters Hannelore ist als Dorfhure verschrien und die türkischen Gastarbeiter werden mit feindseliger Gleichgültigkeit behandelt. Abram als vermeintlich Homosexueller kommt den Bewohner dort gerade recht. Eine Hetzjagd auf den Außenseiter beginnt, er wird in der Dorfgemeinschaft verachtet, verpönt und ausgegrenzt. Mehr und mehr in die Enge getrieben, wird der verzweifelte Bauernbursche schließlich selbst zum erbarmungslosen Täter.
JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN war Peter Fleischmanns erster Spielfilm. Er basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Martin Sperr, der im Film auch die Hauptrolle spielt. Für ihn wie für die weiblichen Protagonistinnen Angela Winkler und Hanna Schygulla war Jagdszenen die erste Rolle in einem Spielfilm. Viele Charaktere – auch größere Rollen – wurden von Einwohnern des Dorfes Unholzing verkörpert, das seitdem in Bayern das „sündige Dorf“ genannt wird und jahrelangen Diffamierungen ausgesetzt war.
Als der Film 1969 den Bundesfilmpreis erhalten sollte, bekam der damalige Innenminister Bender waschkörbeweise Briefe, er solle die Entscheidung der Jury rückg.ngig machen; bei der Premiere des Films in Israel betonte der Vertreter der deutschen Botschaft, JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN spiegle keineswegs die Realität der heutigen Bundesrepublik wieder. Die „Jagdszenen“ liefen in fast allen Ländern Europas, auch in den meisten Ostblock-Ländern, in den USA, Kanada, Australien wie in Lateinamerika von Argentinien bis Kuba.
Auszeichnungen:
Deutscher Filmpreis 1969
Prix Georges Sadoul 1969 und viele andere
Pressestimmen:
"Jagdszenen aus Niederbayern gilt in Cannes allgemein als eine Entdeckung. Mit seiner Darstellung des Grotesken, Grausamen und Lästerlichen erinnert er an Bilder von Hieronymus Bosch" (NEW YORK TIMES)
"Dieser Film ist so beängstigend, dass er nicht auszuhalten wäre ohne den Hauch von Poesie und Wehmut, der den konzessionslosen Realismus durchdringt. Man denkt mehr als einmal an Fritz Lang" (LE MONDE)
/Users/angelikastute/OneDrive/Unheil Babylon/Fleischmann Filme info.docx 31.08.17 11:06:00 "Bei der Projektion des Films bekam ich eine Gänsehaut: Denn all diese braven Dorfbewohner sind unschuldig, unschuldig wie der geistesgestörte Junge, unschuldig durch die Gnade der Dummheit, die aus der Herde im Handumdrehen eine Meute macht."
(Le NOUVEL OBSERVATEUR)
"JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN" ist ein schockierender Film im starken Sinn des Wortes wie zum Beispiel der Film Freaks. Durch seine bedingungslose Sympathie für die Schwachen der Gesellschaft kehrt er die gültige Wertvorstellung um und lässt das Normale und Ehrbare zur Bedrohung werden" (POSITIF)
"JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN ist vielleicht der erste wirklich deutsche Film seit Kriegsende, nicht weil es ein Film über Deutschland wäre oder über typisch deutsche Verhaltensweisen: Rassismus, Faschismus, irrationale Ausgrenzungen gibt es überall; sondern weil er tief verwurzelt ist in seinem Land, seiner Kultur, seinem Alltag. Nur ein Deutscher konnte den bewusst grausamen Realismus so fugenlos mit einer sachlichen Darstellung verbinden." (CAHIERS DU CINEMA)
"Aus dem Bayern dieses Films stammen wir alle!" (Figaro Littéraire)
"Der wohl bedeutendste deutsche Film seit Jahren" (Luzerner Neueste Nachrichten)
"Ein Film, den zu vergessen kaum möglich ist. Für mich (bisher) der Film des Jahres 1969." (TZ)
 


Herbst der Gammler
BRD 1967, R: Peter Fleischmann, Dokumentarfilm 68 min

Während eine Gruppe Gammler versucht, nach Marokko oder Nepal zu gelangen, wird das Klima in Deutschland spürbar kälter. Report über die Bewegung der Gammler und ihre Konfrontation mit den deutschen Bürgern. Der Film kommt ohne Kommentar aus.
Auszeichnungen:
Adolf-Grimme-Preis 1967
Bundesfilmpreis 1967
Golddukaten des Internationalen Filmfestivals Mannheim unter Jury-Präsident Joseph von Sternberg
Die Ausstrahlung des Films durch die dritten Programme führte zu einer Flucht vieler Minderjähriger aus dem Elternhaus und zu einer Flut von Leserbriefen.
"Eine legendäre Dokumentation, das erste Dokument über die deutschen Gammler überhaupt." "Arbeit macht frei! Peter Fleischmanns "Herbst der Gammler" oder das Gesicht der Gesellschaft."
"Eine glänzende journalistische Arbeit von Peter Fleischmann. So stelle ich mir lebensnahe Reportagen auf dem Bildschirm vor."
"Fleischmann hat es meisterhaft verstanden, die Akteure des Films selbst sprechen zu lassen. Jeder zusätzliche Kommentar wäre überflüssig gewesen."
"Bedrückend wirkte die Tatsache, daß so viele Zeitgenossen nach einem Arbeitslager für die Gammler verlangten."
In Paris wurde Herbst der Gammler in den „befreiten“ Kinos gezeigt als Vorläufer der Studentenbewegung, in Deutschland war er Namensgeber für den Film „Deutschland im Herbst“.
 


Mein Freund, der Mörder
„Die Kimmelbande“, rief der Staatsanwalt vor Gericht aus, „hat nicht etwa darüber nachgedacht, wo sie als nächstes einbrechen könnte. Sie musste überlegen, wo sie noch nicht eingebrochen hatte.“ Bernhard Kimmel, auch Al Capone von der Pfalz genannt, knackte mit seinen Kumpanen in der Nachkriegszeit bis zu drei Panzerschränke in einer Nacht. Tagsüber gingen die Bandenmitglieder einer geregelten Arbeit nach und führten die Polizei jahrelang an der Nase herum. Verhaftet wurden sie schließlich nicht etwa aufgrund ihrer spektakulären Raubzüge, sondern wegen einer im Suff begangenen Torheit, die außer Kontrolle geriet und einen Menschen das Leben kostete.
Als der Regisseur Peter Fleischmann den gerade aus der Haft entlassenen Bernhard Kimmel 1970 zum ersten Mal traf, war dieser 34 Jahre alt und bereits eine Legende. Die Interviews mit dem entlassenen Straftäter führten zu einer Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wurde, als Kimmel 1982 einen Polizeibeamten erschoss, der ihn bei einem Einbruch überrascht hatte. Als der Regisseur ihn drei Jahre später im Gefängnis aufnehmen durfte, war nicht klar, ob der zu lebenslanger Haft Verurteilte durchhalten würde.
Nach 22 Jahren wird Bernhard Kimmel auf Bewährung entlassen und Fleischmann stellt das Porträt eines Mannes fertig, der den größten Teil seines Lebens hinter Gittern verbracht hat und nun nicht mehr weiß, wo er hingehört – in die Legende vom edlen Räuber oder in eine Realität, die an ihm vorbeigegangen ist.
Mein Freund der Mörder ist eine mitreißende Betrachtung über Schuld, Sühne und Freundschaft. (Gustav Adolph Bähr)
Pressestimmen
„Kimmel war durch tollkühne Einbrüche und Diebstähle in den Ortschaften des Pfälzer Walds bekannt geworden, teils wegen seiner Robin-Hood-Manier („Nur Reiche haben Panzerschränke“), teils wegen des irreführenden, aber spektakulären Titels „Al Capone aus der Pfalz“. Es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen dem gesellschaftskritischen Filmemacher und dem intelligenten Ganoven. Auf der einen Seite der Regisseur, der erstaunlich beharrlich nach dem Umgang mit der Schuld forscht, ohne die Freundschaft zu verraten. Gleichzeitig sieht man Kimmel sichtbar mit den Gewissensbissen kämpfen, und auch mit der Verurteilung wegen Mordes statt Totschlags. Und man hält fast die Luft an, als Fleischmann ihm vor laufender Kamera den Titel des Films nennt.“ (Frankfurter Rundschau)
„Das Porträt eines Mannes, der mit seinem einst durch die Medien zementierten Image ebenso zu kämpfen hat wie mit jenem Moment im Jahr 1981, der ihn zum Mörder werden ließ. Fleischmann besucht zusammen mit ihm den Tatort, und Kimmel verhehlt nicht, dass ihm das schwerfällt. Im Gefängnis hat er begonnen, als Bildhauer zu arbeiten, inzwischen gibt es Ausstellungen. In der richtigen Mischung aus Nähe und Distanz ist Peter Fleischmann ein eindringliches Porträt gelungen, das auch Lust weckt auf andere Filme dieses Regisseurs, der viel zu wenig bekannt ist.“ (Hamburger Abendblatt)